Cloud-Computing: Bundesbank rät Banken zu mehr Cloud-Anwendungen

Beim Cloud Computing werden Speicherplatz, Rechenleistung oder Softwareanwendungen internetbasiert zur Verfügung gestellt. Auf Daten dieser „Wolke“ können die Nutzer von überallher zugreifen. Die dazu benötigten Rechenzentren und -kapazitäten werden häufig von Großanbietern wie Microsoft , Google oder Amazon betrieben.

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 Speicherplatz und Rechenleistung können je nach Bedarf erhöht oder reduziert werden und müssen nicht auf Spitzenlast ausgelegt sein. Daher erfreut sich das Cloud-Computing bei Unternehmen wachsender Beliebtheit.

Auch die Bundesbank selbst öffnet sich verstärkt dieser neuen Technologie. Für die Umsetzung ihrer Cloud-Strategie hat die Notenbank das Projekt Journey to Cloud (J2C) aufgesetzt, das eine hybride Cloud-Architektur zum Ziel hat. Das bedeutet, dass die Bundesbank für Teile ihrer IT öffentliche Clouds nutzen will, zugleich aber auch eine private Cloud aufbaut.

Erste Beispiele für Cloud-Anwendungen gibt es, etwa das von der Notenbank genutzte Videokonferenzsystem Webex. Auch das Onlinebanking, mit dem die Bundesbank in ihrer Eigenschaft als Hausbank den öffentlichen Kassen den Zugang zu ihren Bundesbankkonten ermöglicht, ist in eine Cloud ausgelagert.

„Das wichtigste strategische Ziel für uns ist es, mithilfe von Cloud-Lösungen unsere Analysefähigkeiten zu verbessern, sowohl für die Bankenaufsicht als auch für die Geldpolitik und volkswirtschaftliche Prognosen“, erläuterte Wuermeling. „Dass sich die Bundesbank für Cloud-Lösungen öffnet, ist auch ein Signal an die Kreditinstitute, dass die Aufsicht offen für den Einsatz solcher Technologien auch bei Banken ist.“

Vor allem große Institute haben zuletzt Cloud-Projekte aufgesetzt: Die Deutsche Bank etwa kooperiert bei öffentlichen Cloud-Anwendungen mit Google und führt mit dem Softwarenunternehmen Oracle ihre Datenbanken in einer privaten Cloud zusammen. Die Commerzbank verfolgt eine Multi-Cloud-Strategie und arbeitet dabei mit Azure von Microsoft sowie Google zusammen. Die DZ Bank hat sich ebenfalls vertraglich an Google und Azure gebunden, weitere Cloud-Anbieter könnten hinzukommen.

Auch alle Volks- und Raiffeisenbanken werden gerade auf eine einheitliche Cloud-Plattform ihres gemeinsamen Rechenzentrums Fiducia & GAD migriert. Nach Angaben des Bundesverbands deutscher Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) soll dieser Prozess bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Ziel des Finanzverbunds ist eine Hybrid-Cloud-Strategie, also eine Kombination aus eigenen Rechenzentren und öffentlichen Clouds mehrere Anbieter.

„In den vergangenen zwei Jahren haben sich einige Banken bereits stärker für diese Technologien geöffnet, doch es kann durchaus noch mehr geschehen„, mahnt Wuermeling. Der Bundesbank-Aufseher vermutet, dass es innerhalb der Kreditwirtschaft beim Thema Cloud „noch ein gewisses Unbehagen“ gibt. „Das ist immerhin die größte Veränderung in der IT seit Abschaffung der Lochkarten in den 1970er-Jahren“, sagte er.

Aus seiner Sicht sollten sich gerade auch kleinere Banken mit dieser Technologie auseinandersetzen: „Die Cloud stärkt die Innovationskraft der Banken und verschafft auch kleineren Banken Zugang zu Technologien, die sich nur Großbanken mit enorm leistungsfähigen Rechenzentren leisten könnten“, betont Wuermeling. Gerade für den deutschen Bankenmarkt mit seinen vielen kleinen und mittelgroßen Banken sei das wichtig.

Selbstverständlich ist Wuermelings Plädoyer für Cloud-Anwendungen nicht: Outsourcing, also die Auslagerung wichtiger Aufgaben an externe Anbieter, wird von europäischen Bankenaufsehern meist an strenge Vorgaben geknüpft. Die Behörden verlangen von Banken, dass sie sicherstellen, dass auch die externen Dienstleister die gleichen hohen Sicherheitsstandards erfüllen, an die auch Banken gebunden sind. Das sollen die Institute auch überprüfen.

Die Bundesbank hat bereits versucht, die regulatorischen Hürden für Cloud-Nutzungen etwas zu senken. So zeigte sich Wuermeling im vergangenen Mai offen für Sammelprüfungen, sogenannte Pooled Audits, bei denen sich Finanzhäuser zusammentun, um einen gemeinsam genutzten externen Dienstleister zu überprüfen. Die Kontrolle von externen Dienstleistern ist für Banken Pflicht, wenn sie wichtige Aufgaben an diese Anbieter auslagern wollen.

Völlig sorglos sollten die Banken beim Thema Cloud trotz aller Vorzüge allerdings nicht agieren. „Durch den Einzug in die Cloud entstehen neue Konzentrationsrisiken“, sagt Wuermeling. „Deshalb legen wir großen Wert darauf, dass Banken sich wieder aus der Cloud verabschieden können. Eine Exit-Strategie muss immer mitgedacht werden.“

Die Bundesbank setzt neben öffentlichen Cloud-Dienstleistungen deshalb auch auf eine private Cloud. Damit will sie die Unabhängigkeit von sogenannten Hyperscalern wie Amazon, Google oder Microsoft  sicherstellen. Das Bedürfnis nach einer gewissen Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern ist ein wichtiger Grund dafür, dass Institute wie etwa die DZ Bank mit mehreren Cloud-Unternehmen zusammenarbeiten.

Aus Sicht von Wuermeling sollte auch die Europäische Union (EU) den Cloud-Markt aktiver gestalten: „Eine stärkere Kontrolle von Cloud-Anbietern durch die EU wäre begrüßenswert, da dies Banken bei ihren Kontrollverpflichtungen unterstützen würde“, so Wuermeling. Die Bundesbank befürwortet ebenso den Aufbau einer europäischen Cloud und engagiert sich dabei auch selbst: Sie ist über die Financial Big Data Cluster-Initiative des Hessischen Wirtschaftsministeriums an einem Anwendungsfall des europäischen Projekts Gaia-X beteiligt.

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