Komplexität und Heterogenität – diese Begriffe fallen wohl am häufigsten, wenn von aktuellen IT-Landschaften in Unternehmen die Rede ist. Gemeint ist die Vielzahl an verschiedenen Software-Systemen, die in einer Organisation im Einsatz sind.
Die Folgen für IT-Abteilungen sind immens: Sie müssen die zahlreichen Applikationen, die im Unternehmen installiert sind, miteinander verbinden. Häufig sollen zum Beispiel Daten aus einer CRM-Anwendung ins ERP-System übertragen werden oder umgekehrt. Hinzu kommen immer mehr Anwendungen aus der Cloud, die zu integrieren sind.
Doch während die Zahl neu eingeführter, moderner Applikationen stetig steigt, greifen viele Unternehmen auf veraltete Lösungen zurück, um diese zu integrieren. Dabei gehen sie nicht strategisch vor. Oft arbeiten sie mit einem wahren Bauchladen an Methoden wie etwa Batch-Verarbeitung, ETL-Systeme (Extract, Transform, Load) oder Enterprise Service Bus (ESB) – und vielen direkten Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Das steigert die Komplexität.
“Wer vier Applikationen miteinander verbinden will, benötigt dafür mindestens sechs punktuelle Integrationen. Bei zehn Applikationen können es bereits mehr als 45 sein. In einer komplexen Infrastruktur kommt so schnell eine vierstellige Anzahl von Schnittstellen zusammen”, sagt Stephen Reindl, Head of Integration beim IT-Dienstleister Cegeka Deutschland.
Fachabteilungen verbinden zum Beispiel zwei Applikationen auf die Schnelle durch Excel miteinander, um ein aktuelles Problem zu lösen. Solche Schnittstellen sind jedoch in vielen Fällen unsauber dokumentiert und lassen sich für weitere Aufgaben kaum verwenden. Ein anderes Beispiel sind ESB-Systeme. Diese bieten oft nur unzureichende Integrationswerkzeuge, um Cloud-Services mit Legacy-Systemen im Unternehmen zu verbinden.
Das treibt den Aufwand und die Kosten für den Betrieb der IT in die Höhe. Denn jede Schnittstelle kostet Geld und Zeit. Sie muss in das Monitoring eingebunden werden und eine Reihe von Prozessen durchlaufen, bevor sie für den operativen Betrieb freigeschaltet wird. Zusätzlich sind Anforderungen in Sachen Sicherheit und Compliance bei der Entwicklung zu berücksichtigen. Unterm Strich müsse man für das Entwickeln, Testen und Umsetzen pro Schnittstelle mit 20 bis 30 Projekttagen rechnen, so Reindl. Dazu kommen dann noch Aufwände für die Wartung der Schnittstellen.
Aber das alles belastet nicht nur das Budget. In vielen IT-Abteilungen fehlt schlicht die Man-Power, um diesen Aufgaben gerecht zu werden. Was wiederum dazu führt, dass viel Zeit vergeht, bis Schnittstellen umgesetzt werden und das Unternehmen von der Integration der Applikation profitiert.
“Unternehmen sollten sich fragen, wie sie den Integrationsaufwand wirklich nachhaltig reduzieren können”, sagt Reindl. Die Antwort auf diese Frage ist seiner Meinung nach der Einsatz einer Modern Middleware. Eine solche Lösung ist ein Framework, um Integrationen zu verwalten und durchzuführen. Dafür gibt es verschiedene Anbieter, zum Beispiel Boomi, Microsoft oder Mulesoft.
Mit einer Integration Platform as a Service-Lösung (iPaaS) als Modern Middleware erhält die IT einen Baukasten in der Cloud, mit dem sich Integrationen einfach und strukturiert erstellen lassen. Er beinhaltet Design- und Runtime-Werkzeuge, Master Data Management sowie ein API-Gateway. Wichtigstes Tool ist eine Integrationskomponente, um Quell- und Zielsysteme miteinander zu verbinden. Darüber hinaus wird in vielen Fällen ein Werkzeug zur Prozessabbildung bereitgestellt.
Zusätzlich zu diesen Tools bietet eine iPaaS-Lösung laut Reindl weitere besondere Vorteile. Dank ihrer grafischen Oberfläche und des Low-Code-Konzepts lässt sie sich sehr einfach nutzen. Integrationsprozesse werden per Drag and Drop designt.
Mit einer Modern Middleware lassen sich Legacy-Systeme unkompliziert an die moderne IT-Welt anbinden. “Die klassischen Middleware-Anbieter sind quasi wie große Lastwagen”, erklärt Peter Haase, der bei Boomi für das Marketing in der DACH-Region zuständig ist. “Sie können zwar auf der Autobahn schnell etwas von A nach B bringen, es fehlt ihnen aber die Wendigkeit. Boomi ist dagegen wie ein Kleintransporter, der auch in schmale Straßen hineinkommt und trotzdem viel transportieren kann.”
Die Plattform sorgt dafür, dass sich der Wildwuchs aus Einzelverbindungen auflöst. Soll zum Beispiel eine neue Applikation integriert werden, braucht es nur einen einzigen Konnektor in die Plattform. Diese stellt dann die Verbindungen mit den anderen Anwendungen her. Dadurch können Unternehmen auch in Hybrid-Infrastrukturen arbeiten, da sich Applikationen aus der Cloud einfach in On-Premises-Systeme integrieren lassen.
Weiterer Pluspunkt: Funktionen für Security und Compliance bringt die Plattform oft selbst mit. So lassen sich auch diese Anforderungen in kurzer Zeit umsetzen.
Cegeka hat bereits eine Vielzahl von iPaaS-Projekten in Unternehmen umgesetzt. Die Verantwortlichen seien immer wieder überrascht, wie schnell sich damit Anwendungen integrieren lassen. “Meistens können wir innerhalb weniger Tage einen Proof of Concept liefern”, berichtet Reindl. Häufig müssen dann Legacy-Systeme nicht einmal mehr zwingend ausgetauscht werden. Sie lassen sich mit iPaaS einfach mit der neuen Applikationswelt verbinden und auf diese Weise modernisieren.
Cegeka übernimmt dabei nicht nur den Aufbau der Plattform, sondern passt sie auch an die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens an. “Es geht darum, das System entsprechend den Anforderungen zu designen und Prozesse richtig umzusetzen”, erklärt Reindl.
Welche konkreten Vorteile der Einsatz einer Modern Middleware mit sich bringt, zeigt ein Beispiel, von dem Reindl berichtet. Bei einem Dienstleister hat Cegeka eine Microsoft-SQL-Datenbank, die nur zur Datenzwischenspeicherung genutzt wurde, durch eine auf Boomi basierende Lösung ersetzt. Daten können jetzt direkt aus dem Quellsystem gelesen und in das Zielsystem überführt werden. Ergebnis: Die Betriebskosten konnten um 70 Prozent gesenkt und die redundante Datenhaltung vermieden werden.
Stephen Reindls Fazit: “Das Einführen einer Modern Middleware ermöglicht es Unternehmen, ihre Applikationsmodernisierung auf eine zukunftsgerichtete Integrationsstrategie zu stützen – mit spürbaren Auswirkungen: deutlich weniger Komplexität, schnellere Umsetzung, Kosteneffizienz, Transparenz und Sicherheit. Ein Irrgarten, in dem man sich verläuft, kann mit Modern Middleware gar nicht erst entstehen.”
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