Technik ist immer nur der letzte Schritt: IT-Strategie der Software AG: Konvergenz statt Alignment

Michael Sonne hat Erfahrung mit kundenorientierter IT: Der CIO der Software AG hat in früheren Funktionen gleich dreimal in Folge die IT Excellence Benchmark (ITEB) gewonnen: 2015, 2016 und 2017.


Foto: Software AG

Seit zwei Jahren ist Michael Sonne CIO der Software AG, das in über 70 Ländern Lösungen entwickelt und vertreibt, mit denen Unternehmen ihre Geschäftsprozesse analysieren und komplexe IT-Infrastrukturen integrieren.

Als Sonne zur Software AG kam, agierte die IT-Organisation ungeachtet der globalen Präsenz vom Headquarter aus: Zwei Drittel der rund 250 IT-Mitarbeitenden hat sich damals vor allem von der Firmenzentrale in Darmstadt aus um die Organisation der Unternehmens-IT gekümmert.

Das hat sich mit Amtsantritt von Michael Sonne geändert – passend zum Projekt Helix, mit dem der Vorstandsvorsitzende der Software AG, Sanjay Brahmawar, sein Unternehmen neu ausrichtet. Der Konzern solle sich auf seine Stärken bei der digitalen Transformation fokussieren, mehr auf die Kunden hören und den Vertrieb stärken, sagte Brahmawar 2019 dem Handelsblatt. Michael Sonne leistet bei der Transformation einen wichtigen Beitrag, indem die internen IT-Prozesse und Systeme neu aufgestellt wurden.

Der CIO setzt dafür auf eine neue IT-Strategie und einen Kulturwandel für das gesamte Unternehmen. Dazu gehören “Global Acting Teams”, die unbedingte Fokussierung auf die internen Kunden und – auch zur Unterstützung des Vertriebs – eine verstärkte Nutzung der eigenen Software.

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Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hat er seine IT-Organisation auf die globalen Teams umgestellt und seine Teamleiter autorisiert, wie Unternehmer zu handeln und in ihren Bereichen Innovationen voranzutreiben. Die Teams selbst leisten Service und Support aus den USA, Indien, Bulgarien, Malaysia und seit Kurzem auch aus Brasilien – 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Durch die globale Verteilung sind dafür keine Überstunden und Dreischichtmodelle nötig.

Aber die Global Acting Teams sind nicht nur für Services zuständig; tatsächlich hat der CIO seine globalen Teams funktional organisiert, um ganzheitliche, global anwendbare Lösungen und Dienstleistungen zu entwickeln und auszurollen.

Damit erspielt sich seine Organisation auch Vorteile im harten “War of Talents”, den Sonne so nicht nur lokal, sondern mit den besten Kandidatinnen und Kandidaten vor Ort führen kann. So erschließt sich die Software AG neue Jobmärkte in Asien und Lateinamerika, die längst zu den bevorzugten Rekrutierungsgebieten der Hightech-Giganten gehören.

Last, but not least leisten die IT-Organisation und die Diversität der Mitarbeitenden auch einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt der Software AG: Globale Teams machen eben auch internationale Lösungen möglich, die unterschiedliche regionale Wünsche und lokale Ansprüche befriedigen können.

Neben der globalen Ausrichtung hat Michael Sonne seinen IT-Teams einen strengen Fokus auf das Business verordnet. Wie wichtig ihm das ist, wird an seinem Wording deutlich: Er spricht nicht von “Business-IT-Alignment”, sondern von Konvergenz, also letztlich vom Verschmelzen von IT und Business.

Ein Teil seiner Mitarbeitenden nimmt dafür zum Beispiel an Business-Meetings teil, die nicht unbedingt immer was mit IT zu tun haben, sondern mit der Verbesserung von Sales- oder Recruiting-Prozessen. Dabei spielt IT immer eine zentrale Rolle und macht im Zweifelsfall den Unterschied aus. Sie ist deshalb Bestandteil des Business und Teil der Roadmap des Unternehmens. Allerdings, auch darauf weist Sonne hin, ist der Einsatz von Technologie niemals strategisches Ziel, sondern immer nur der letzte Schritt auf diesem Weg.

Michael Sonne hat dafür seine Mitarbeitenden zu Beratenden gemacht, die dem Business nicht nur als verlässliche Servicekräfte begegnen, sondern auf Augenhöhe dort, wo das Business der Zukunft entsteht, in den Fachbereichen. Dafür nutzen seine Mitarbeitenden “da, wo es geht” auch die hauseigenen Lösungen. “Nur wenn wir wissen, wie unsere Produkte funktionieren, wie wir sie in unseren Arbeitsalltag integrieren und welche Use Cases sich damit realisieren lassen, können wir unseren Sales mit praktischer Expertise beratend zur Seite stehen”, beschreibt Sonne diesen Teil seiner Arbeit. “Letzten Endes versorgen wir damit den Vertrieb mit praxiserprobten Argumenten für unsere Lösungen.”

Die Nähe zu seinen Kunden bezeichnet Michael Sonne gerne auch mit dem Begriff “User Experience”, der für die strikte Ausrichtung der IT auf ihre Kunden steht, die Mitarbeitenden der Software AG. Herausfinden, was sie wollen, gehe nur im Dialog mit ihnen: “Wir fragen sie, was sie brauchen – und was sie im Alltag vermissen”.

Dieser Kontakt sei enorm wichtig, so Sonne, und er führe mitunter zu Lösungen, die Unternehmensanforderungen vielleicht nur zu 80 Prozent statt umfassend erfüllen. “Aber die dafür von allen verwendet werden, die sie benötigen. Damit sind wir unterm Strich deutlich erfolgreicher.” Die Fachabteilungen, betont Sonne, wollten die Gespräche darüber, wie sich Abläufe verbessern lassen und wie Technologie dabei helfen kann. So bleibt am Ende ein sehr einfaches Erfolgsrezept übrig, das Sonne für seine Kolleginnen und Kollegen in der IT hat: “Geht auf eure Kunden zu und beschränkt euch nicht darauf, IT zu administrieren oder zu sichern.”

https://www.cio.de/a/it-strategie-der-software-ag-konvergenz-statt-alignment,3691719

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