Gehalt vs. Inflation: 3 Tipps, um deutlich mehr zu verdienen

Arbeitnehmer, die eine Spezialisierung vorweisen können, haben gute Karten, in einer Gehaltsverhandlung erfolgreich zu sein.


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Steigende Mieten, immer höhere Lebensmittel- und Energiepreise und zusätzlich auch noch die finanziellen Belastungen durch die Inflation. Für Verbraucher sind die Zeiten nicht gerade rosig. Doch einige Beschäftigte können zum Ausgleich wenigstens mit einer Gehaltserhöhung rechnen. Bei besonders gefragten Fachkräften fällt die Einkommenssteigerung dabei sogar relativ beachtlich aus – bis zu 25 Prozent mehr Gehalt sind möglich.

Bereits zu Beginn des Jahres 2022 gaben die Mehrzahl der befragten Unternehmen in einer vom ifo-Institut betriebenen Studie an, dass sie im Jahr 2022 mit einer Gehaltssteigerung der Belegschaft rechnen. In manchen Branchen und Berufen sei sogar ein Plus von bis zu 5,8 Prozent möglich. Beachten sollte man dabei, dass die Studie vor Beginn des Ukraine-Krieges und damit vor der deutlichen Preissteigerung für Energie und Lebensmittel durchgeführt wurde.

Aufgrund des Krieges hat sich die Situation verändert, denn im Juli lag die Inflationsrate bei 7,5 Prozent (auch der Goldpreis ist seit Anfang 2022 weiter gestiegen) und damit deutlich über dem Maximalwert, den einige Unternehmen noch in der Umfrage angaben. Heißt konkret: Beschäftigte, die ungefähr sechs Prozent mehr Lohn oder Gehalt bekommen, haben effektiv von dieser Gehaltssteigerung nichts, weil sie durch die Inflation aufgefressen wird. Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände fordern daher schon seit einigen Wochen, dass Arbeitgeber und notfalls auch der Staat etwas tun müssten, um Arbeitnehmer und Verbraucher zu entlasten.

Einige Arbeitgeber reagieren bereits und kündigen Gehaltserhöhungen an. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Willis Towers Watson planten Unternehmen schon 2021 Gehaltssteigerungen in Branchen, in denen Fachkräfte gesucht werden – und das sind mittlerweile einige. Laut totalrewards haben Arbeitnehmer, die in technologieorientierten Branchen tätig sind, aktuell die besten Aussichten, im laufenden Jahr deutlich mehr Gehalt zu bekommen. Zu diesen Branchen und Berufen gehören beratende Tätigkeiten im Technologieumfeld, Medizintechnik und Fintech.

Grundsätzlich haben aber alle Arbeitnehmer, die eine Spezialisierung vorweisen können, gute Karten in einer Gehaltsverhandlung. Folgt man den Ausführungen von Willis Towers Watson, so konnten sich bisher schon IT-Systemarchitekten über deutlich mehr Gehalt freuen: Seit Beginn der Corona-Pandemie stehen nun bis zu 25 Prozent mehr Gehalt auf ihrem Gehaltszettel. Vertriebsmitarbeiter, die im Großkundenbereich arbeiten, konnten im gleichen Zeitraum durchschnittlich 15 Prozent mehr Gehalt mit nachhause bringen und im Controlling und Marketing waren zehn Prozent Gehaltszuwachs möglich.

Sie gehören nicht zu den glücklichen Arbeitnehmern, die automatisch von deutlich mehr Lohn oder Gehalt profitieren? Dann können Sie selbst aktiv werden. Wenn Sie zu den gesuchten Fachkräften gehören und/oder Skills mitbringen, die Ihr Arbeitgeber nicht so leicht ersetzen kann, können Sie individuell eine Verhandlung um mehr Gehalt anstoßen. Mit diesen Argumenten können Sie ihren Arbeitgeber vielleicht überzeugen:

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  • Führen Sie Erfolge auf: Gerade wenn Sie in einem größeren Unternehmen arbeiten, hat Ihr Chef vielleicht gar nicht den konkreten Überblick darüber, was Sie alles in letzter Zeit geleistet haben. Deshalb sollten Sie im Vorfeld der Verhandlung kleinschrittig auflisten, was Sie im letzten Jahr geleistet haben und wie Ihr Arbeitgeber davon profitieren konnte. Um das möglichst plastisch zu schildern, können Sie ihre Arbeitsaufgaben, die im Arbeitsvertrag festgehalten sind, Ihrer Leistung gegenüberstellen. Wenn Sie die dort aufgeführten Tätigkeiten deutlich übertroffen haben, dürfte das ein starkes Argument für mehr Gehalt sein.
  • Geben Sie den Rahmen vor: Studien zeigen immer wieder, dass derjenige Verhandlungspartner, der den ersten Schritt macht und damit als erster seine Gehaltsvorstellung formuliert, im Vorteil ist. Psychologisch lässt sich dieses Phänomen auf den sogenannten Ankereffekt zurückführen. Gemeint ist damit, dass wir uns von der ersten Zahl, die wir in (oder sogar vor) einer Verhandlung hören, beeinflussen lassen. Heißt: Machen Sie das erste Angebot und starten Sie mit einer möglichst hohen Summe. In aller Regel wird Ihr Chef diese Summe zwar nicht akzeptieren, sich jedoch bei seinem Gegenangebot daran orientieren.
  • Nennen Sie eine ungerade Zahl: Ein weiterer Trick der psychologischen Verhandlungsführung betrifft die Summe an sich. Sie sollten gerade Zahlen wie 90.000 Euro vermeiden – und das gleich aus mehreren Gründen: Wenn Sie mit einer runden Summe starten, ist die Gefahr größer, dass auch Ihr Chef mit einer runden Summe antwortet. Sein Gegenangebot könnte daher zum Beispiel 80.000 Euro lauten. Wenn Sie dagegen 88.950 Euro als Gehaltswunsch äußern, wird er nur selten 80.000 Euro entgegnen. Stattdessen wird er sich (Ankereffekt!) an der zuvor gehörten Zahl orientieren und zum Beispiel 86.950 Euro vorschlagen. Mit einer “krummen” Zahl signalisieren Sie außerdem, dass Sie sich über Ihr Gehalt Gedanken gemacht haben. Denn 88.950 Euro scheint nicht aus der Luft gegriffen, sondern kalkuliert zu sein. Darauf deutet eine Studie des Sozialpsychologen David Loschelder hin. Wer keine glatte Zahl, sondern eine möglichst präzise Summe in der Gehaltsverhandlung nennt, macht damit deutlich, dass er sich über seinen Marktwert im Klaren ist. Und als Arbeitgeber kann man Mitarbeiter, die genau wissen, was sie wert sind, nur in seltenen Fällen mit zu wenig Geld abspeisen. Jedenfalls nicht, ohne Gefahr zu laufen, sie an die Konkurrenz zu verlieren.

Was aber, wenn die Gehaltsverhandlung optimal läuft, der Chef die Leistung seines Mitarbeiters anerkennt und gerne mehr Gehalt zahlen würde, es aus wirtschaftlichen Gründen aber nicht kann? Auch für diese Fälle gibt es eine Option: Der Wirtschaftswissenschaftler Nicholas Bloom von der Universität Stanford führt aus, dass zwei Tage im Home-Office so viel Wert seien wie sieben oder acht Prozent mehr Gehalt. Vereinbaren Sie mit ihrem Arbeitgeber also doch ganz einfach Home-Office oder Remote Work und gleichen Sie fehlendes Gehalt durch mehr Lebensqualität aus. Wenn Sie nicht täglich zum Job pendeln müssen, sparen Sie außerdem Geld für Treibstoff oder Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel – und häufig auch eine Menge Zeit. (pg/fm)

  1. Keine Agenda haben
    Unstrukturierte Gespräche führen zwangsläufig zu vagen Ergebnissen. Gedankliche Meilensteine helfen dabei. Setzen Sie Ihre Argumente wohl dosiert ein. Legen Sie nicht sofort all Ihre Trümpfe auf den Tisch. Halten Sie noch ein paar gute Argumente in der Hinterhand. Bringen Sie Ihr stärkstes Argument erst gegen Ende Ihrer Argumentationsreihe.
  2. Nervös werden
    Der persönliche Eindruck kann sehr entscheidend dafür sein, ob Sie Ihr Ziel erreichen oder nicht. Versuchen Sie deshalb, Ihre Körpersprache bewusst einzusetzen, mögliche Störfaktoren auszuschalten und souverän zu agieren. Eigentlich ist es ganz einfach: Je positiver Ihre Einstellung, desto offener und positiver wird Ihre Körpersprache sein und umso besser wird die Verhandlung laufen.
  3. Überzogene Forderungen
    Wer zu wenig fordert, kommt nie zu mehr Geld. Wer zu viel verlangt, verspielt möglicherweise sämtliche Karriere-Chancen. Gehaltsforderungen sollten angemessen sein. Nur wer weiß, was in vergleichbaren Positionen gezahlt wird, hat eine Vorstellung davon, was er für seine Arbeit verlangen kann beziehungsweise was seine Arbeit überhaupt wert ist.
  4. Schlechte Vorbereitung
    Wer vorbereitet ins Gehaltsgespräch geht, holt mehr raus. Eine gute Vorbereitung ist allein schon deshalb wichtig, weil Ihr Verhandlungspartner in punkto Gehalt und Verhandlungskompetenz in der Regel wesentlich erfahrener ist als Sie es sind.
  5. Schlechte Argumente
    Es gibt Argumente, die Sie nie benutzen sollten, auch wenn das eine oder andere auf den ersten Blick der Auslöser für Ihren Wunsch nach mehr Gehalt gewesen sein sollte. Vermeiden Sie Mitleids- oder Bedürftigkeitsargumente. Auch Vergleiche mit Kollegen sind tabu. Erpressungsversuche á la “Wenn ich nicht mehr Geld bekomme, gehe ich” sowieso. Was zählt, ist einzig und allein Ihre Leistung.
  6. Keine Ziele haben
    “Wer nicht weiß, wohin er will, wird auch nie ankommen”, lautet sinngemäß ein Sprichwort. Wer schon vor der Gehaltsverhandlung nicht weiß, was er genau will, kann sich mit dem Chef nicht gut in der Mitte treffen. Legen Sie also ein Minimal- und ein Maximalziel fest und planen Sie ausreichenden Verhandlungsspielraum ein.
  7. Falscher Zeitpunkt
    Gutes Timing bei der Gehaltsverhandlung kann Gold wert sein. Niemals zwischen Tür und Angel. Machen Sie immer einen Termin. Überlegen Sie, wann Ihr Chef am besten aufgelegt ist. Ein Gehaltsgespräch in hektischen Zeiten setzt den Vorgesetzten unnötig unter Druck. In einer entspannten Situation werden Sie viel eher auf sein Wohlwollen stoßen. Aber Vorsicht: Wenn der Insolvenzverwalter schon durch die Flure wandert oder die Firma in einer existenziellen Krise steckt, dann macht eine Forderung nach mehr Gehalt wenig Sinn.
  8. Unflexibel sein
    Wer halsstarrig an seinen Forderungen klebt, nimmt sich die Möglichkeit zu vielleicht gar nicht mal so schlechten Kompromissen – und hinterlässt schnell einen negativen Nachgeschmack. Versteifen Sie sich also nicht auf eine Lösung, sondern haben Sie eine Alternative oder mehr in der Hinterhand. Muss es denn wirklich mehr Geld sein? Oder könnten Sie auch mit einer Prämienregelung oder einer Weiterbildung leben.
  9. Hoffen auf den großen Sprung
    Verhandeln Sie lieber häufiger über kleinere Gehaltserhöhungen als in langen Abständen auf gewaltige Sprünge zu hoffen. Fragen Sie auch dann nach einer Gehaltserhöhung, wenn nicht unbedingt damit zu rechnen ist. Wer nicht gelegentlich den Arm hebt, geht nicht nur jahrelang leer aus, sondern büßt möglicherweise auch seine Wertschätzung beim Chef ein.
  10. Sich aus dem Konzept bringen lassen
    Es gibt gegen alles Einwände, auch gegen Gehaltserhöhungen. Lassen Sie sich davon möglichst nicht aus der Ruhe bringen und verfolgen Sie konsequent Ihre Gesprächsziele. Viele dieser Phrasen werden gern eingesetzt, um schlecht Vorbereiteten einen Dämpfer zu verpassen oder sie schlicht aus dem Konzept zu bringen. Die entstehende Verwirrung soll es Ihnen schwer machen, ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Und natürlich will die Unternehmensseite sehen, wie wichtig Ihnen Ihr Anliegen wirklich ist.

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