Tipps gegen Fachkräftemangel: So finden und binden Sie Data Scientists

Fähige Datenwissenschaftler an Bord zu holen, ist kein leichtes Unterfangen. Diese Tipps bringen Sie weiter.


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Da IT-Führungskräfte zunehmend auf Datenwissenschaftler angewiesen sind, um aus der wachsenden Datenflut die richtigen Erkenntnisse zu gewinnen, ist es für Unternehmen essenziell, fähige Data Scientists zu finden und zu binden. Weil es nicht genügend gut ausgebildete, hochqualifizierte Datenwissenschaftler gibt, um alle offenen Stellen zu besetzen, arbeiten einige Unternehmen mit HR- und Recruiting-Spezialisten zusammen, um Bewerber anzuziehen. Sind diese dann eingestellt, besteht die Kunst darin, die begehrten Mitarbeiter davon abzuhalten, zur Konkurrenz abzuwandern.

Gerade Internetgiganten wie Amazon, Google und Facebook locken nicht nur mit Brand Image, sondern auch mit einer Vielzahl von Projektoptionen, üppigen Gehaltspaketen und Aktienoptionen. Kleinere Unternehmen haben deswegen diesbezüglich oft einen schweren Stand, wie auch Brandon Purcell, Vice President und Chef-Analyst beim Beratungsunternehmen Forrester, unterstreicht: “Das ist eine große Herausforderung – vor allem, wenn es sich nicht um große Marken und Namen handelt. Nur mit Datenwissenschaftlern lassen sich Daten in Erkenntnisse verwandeln. Deshalb wird viel darüber nachgedacht, wie Data Scientists eingestellt und gehalten werden können.”

Diese Überlegungen erstrecken sich auf sämtliche Branchen, vom Gesundheitswesen über die Landwirtschaft bis hin zum Einzelhandel, der Fertigung oder dem Finanzwesen. Die gesuchte, besonders qualifizierte und relativ junge Generation von Datenwissenschaftlern sammelt und analysiert – sowohl strukturierte als auch unstrukturierte – Daten, um mit maschinellem Lernen, Algorithmen und NLP echte Geschäftsprobleme zu lösen. Als Big-Data-Experten können sie die Customer Experience optimieren, neue Produkte entwickeln und versteckte Datenmuster entdecken. Data-Science-Jobs bringen außerdem solide Gehaltspakete mit sich. Auf diesem Gebiet ein konkurrenzfähiges Angebot machen zu können, ist ein Schlüssel zum Erfolg – reicht allein aber nicht. Oft braucht es wesentlich mehr als Geld, Tischtennis im Büro und Gratis-Pizza, um Data-Science-Talente an Land zu ziehen. Was das genau ist, haben wir IT-Führungskräfte und Branchenanalysten gefragt.

Angesichts von 72,4 Millionen aktiven Kundenkonten und sieben Billionen Datenpunkten ist Bess Healy, Senior Vice President und CIO beim US-Finanzdienstleister Synchrony, ständig dabei, ihr Data-Science-Team zu erweitern: “Auch bei uns wachsen die Datenmengen stark an. Unser Bedarf an Datenwissenschaftlern wird also mit der Zeit weiter steigen. Wir wissen, dass wir jeden Tag um diese Experten konkurrieren müssen. Wir sind sehr darauf bedacht, nicht hinter unsere Konkurrenz zurückzufallen.” Um qualifizierte Data Scientists zu finden und zu halten, biete Synchrony ihnen unter anderem flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten, die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, oder eine Kombination aus Heim- und Büroarbeit zu wählen.

Für Anupam Khare, Senior Vice President und CIO beim US-Nutzfahrzeughersteller Oshkosh, besteht das Wertversprechen zur Gewinnung von Datenwissenschaftlern und anderen Datenexperten darin, ihnen inspirierende Projekte zu bieten. Das in Wisconsin ansässige Industrieunternehmen entwirft und baut eine breite Palette von Produkten – vom Militär-Truck über Flugfeldlöschfahrzeuge bis hin zu Betonmischern und Hubfahrzeugen. “Wir können ihnen einen Sinn für ihre Arbeit geben. Wir entwerfen und fertigen im Grunde Produkte, die unseren Communities zugutekommen – das ist ein Anziehungspunkt und eine sehr kraftvolle und inspirierende Mission”. erklärt der Oshkosh-CIO stolz. Wenn es darum geht, Datenfachleute anzuziehen, dürfte auch der innovative Ruf des Unternehmens zuträglich sein: Oshkosh konnte sich vier Jahre in Folge den prestigeträchtigen CIO 100 Award sichern und darf sich zudem einen MIT Sloan CIO Leadership Award auf die Fahnen schreiben.

Das Data-Science-Team bei Oshkosh hat darüber hinaus ein breites Spektrum an Problemen zu bewältigen und arbeitet an diversen Themen, von der Herstellung über den Verkauf bis hin zur Lieferkette. Das bringe nicht nur Abwechslung in die tägliche Arbeit, sondern erweitere auch die Fähigkeiten des Teams, wie Khare erklärt. “Innerhalb des Digital-Tech-Teams haben wir eine sehr innovative und progressive Kultur, die sich darauf konzentriert, neue Dinge auszuprobieren und zu lernen. Hier können unsere Spezialisten Ideen zum Leben erwecken.”

Auch Chandana Gopal, Forschungsdirektorin bei IDC, ist davon überzeugt, dass moderne Technologien und interessante Projekte der Schlüssel dazu sind, Datenexperten zu finden und zu binden. Dabei müssten Personalverantwortliche und IT-Führungskräfte bedenken, dass Datenwissenschaftler hochqualifizierte und geschulte Fachleute sind, die häufig über Doktortitel in Mathematik oder Datenwissenschaft verfügen. Sie interessierten sich für komplexe Probleme, die für das Unternehmen von entscheidender Bedeutung sind und möglicherweise einen größeren Nutzen für die Wissenschaft, ihre Gemeinschaft oder die Gesellschaft haben.

“Sie müssen sicherstellen, dass Datenwissenschaftler ein wertvoller Teil Ihres Ökosystems sind, dass sie nicht nur Daten vorbereiten, sondern an den großen, interessanten Fragen arbeiten. Stellen Sie sicher, dass Sie sie mit Mitarbeitern aus dem Unternehmen zusammenbringen, damit sie in die entscheidenden Geschäftsanforderungen eingebunden sind. Und stellen Sie ihnen ein Support-Team zur Seite, das sich mit Daten auskennt”, empfiehlt die IDC-Expertin.

Unternehmen sollten davon abgesehen auch keine Versprechungen machen, die sie nicht einhalten können oder wollen: “Lassen Sie sie ihre Projekte zu Ende führen. Falls Sie über Software verfügen, die einfache oder repetitive Aufgaben übernehmen kann, sollten Sie Ihre besten Datenwissenschaftler von diesen Aufgaben entlasten. Stellen Sie sicher, dass sie herausgefordert werden. Stellen Sie sicher, dass sie wertgeschätzt werden. Zeigen Sie ihnen, dass sich die Führungskräfte für die Nutzung von Daten einsetzen”, appelliert Gopal.

Wir haben die genannten und einige weitere Ratschläge für Sie zusammengefasst. Das bringt Sie weiter, wenn es darum geht, Datenwissenschaftler zu finden und zu halten:

  • Sinn bieten: Datenwissenschaftler haben in der Regel eine Vielzahl von Job-Optionen. Wenn sie sich bei ihrer Arbeit langweilen, werden sie nicht bleiben. Wecken Sie ihre Neugierde und ihren Tatendrang, indem Sie ihnen innovative Projekte anbieten oder sie mit Aufgaben betrauen, die einem guten Zweck dienen. Insbesondere Data Scientists sollten Sie das Gefühl vermitteln, unverzichtbar zu sein. Zum Beispiel, indem Sie ihnen Projekte übertragen, die für das Unternehmen von entscheidender Bedeutung sind.
  • Ermöglichen, etwas zu bewirken: Obwohl Data Scientists oft die gesamte Bandbreite an Datenaufgaben übernehmen können, sind sie am effektivsten – und am glücklichsten – wenn sie von einem Team unterstützt werden. Damit sich die Datenwissenschaftler auf ihre kreative Arbeit konzentrieren können, sollten sie Daten- und Machine-Learning-Ingenieure hinzuziehen, die die technische Arbeit und die Datenvorbereitung übernehmen. Es lohnt sich auch, die Mitarbeiter mit den besten Datenkenntnissen zu identifizieren und sie als Fachexperten in das Data-Science-Team zu integrieren, um einen auf die Geschäftsanforderungen zugeschnittenen Mehrwert zu schaffen.
  • Verbindung zum Business schaffen: Stellen Sie sicher, dass Ihre Data Scientists oder Data-Science-Teams nicht in einem Silo arbeiten. Stellen Sie eine Verbindung zum Business-Team her. So arbeiten die Datenwissenschaftler an den wichtigsten Fragen mit und haben kontinuierlich messbaren Einfluss auf das Business.
  • Tool- und Talente-Pipeline aufbauen: Sorgen Sie nicht nur dafür, dass Ihre Data Scientists von Dateningenieuren unterstützt werden, sondern implementieren Sie auch intelligente Software, um einfache und sich wiederholende Aufgaben zu erledigen. Ziehen Sie darüber hinaus auch Partnerschaften mit Universitäten und Hochschulen in Betracht, um eine Pipeline geschulter Praktikanten und Absolventen zu schaffen, die Ihr Data-Science-Support-Team verstärken können.
  • Für kontinuierlichen Erfolg schulen: Wie in jedem IT-Bereich gibt es auch in der Datenwissenschaft immer wieder neue Techniken und Tools, die sich weiterentwickeln. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Data Scientists und die Mitarbeiter, die diese unterstützen, auf dem Laufenden bleiben, indem Sie ihnen geeignete Weiterbildungen und Schulungen anbieten.
  • Angemessen entlohnen: Natürlich haben Sie letztendlich immer einen schweren Stand, wenn Sie nicht marktüblich bezahlen. Vergewissern Sie sich, dass Ihre Vergütung mit der anderer Unternehmen Ihrer Größe vergleichbar ist oder diese übertrifft. Zudem sollten Sie sicherstellen, dass Ihr Angebotspaket auch wettbewerbsfähige Benefits enthält.

(fm)

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation CIO.com.

https://www.computerwoche.de/a/so-finden-und-binden-sie-data-scientists,3612707

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