Amazon Web Services, Azure oder Google Cloud?

Unternehmen müssen genau überlegen, was sie von ihrer Cloud-Lösung erwarten, bevor sie sich für ein System entscheiden, sagt IT-Berater Paul Niebler in seinem Gastbeitrag.

Cloud ist nicht gleich Cloud. Die Entscheidung für eine Cloud fällen Firmen meist für Jahre. Sie sollten die Unterschiede der drei größten Cloud-Anbieter kennen und wissen, welches System für welche Kriterien das richtige ist.

Amazon Web Services

Mit seiner umfassenden Cloud-Computing-Plattform ist Amazon der größte und älteste Anbieter. Unternehmen erhalten eine All-in-one-Lösung, die eine Vielzahl von leicht integrierbaren Services zur Verfügung stellt. Amazon Web Services unterstützt Unternehmen dabei, Geschäftsprozesse ausfallsicher in der Cloud zu betreiben. Zu den Funktionen gehören ein Daten-Backup und eine Notfallwiederherstellung. Tritt ein solcher Fall ein, können sich die Nutzer auf die automatischen Services von Amazon Web Services verlassen. Das System verfügt über umfassende Sicherheits- und Compliance-Kontrollen. Es bietet im Vergleich zu anderen Cloud-Lösungen die meisten Sicherheitsstandards und Zertifizierungen.

Nutzer können ferner auf virtuelle Desktops und E-Mail-Services zurückgreifen. Die Lösung lässt zudem Big-Data-Analysen zu. Die Softwareentwicklung und entsprechende Tests werden ebenfalls unterstützt. Das Cloud-System ist branchenweit einsetzbar und in 245 Ländern verfügbar. Gerne wird es in der Finanzwelt genutzt. Hier unterstützt es zum Beispiel die Verhinderung von Betrug. Entwickler von Videospielen greifen ebenfalls gerne auf die Services zurück. Sie können damit ihre Spiele online auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen. Im Gesundheitswesen wird Amazon Web Services eingesetzt, um Behandlungen zu verfolgen.

Ein Vorteil des Systems ist, dass Amazon Web Services deutlich mehr Services als alle anderen Cloud-Systeme anbietet. Sie verfügen über einen deutlich größeren Funktionsumfang. Die Lösung ist für alle Branchen, Unternehmenstypen und -größen nutzbar. Dazu gehören auch neue Technologien, etwa Machine Learning, Anwendungen aus der künstlichen Intelligenz oder das Internet of Things. Es steht eine große Bandbreite an Datenbanken zur Verfügung, die für zahlreiche spezifische Anwendungen entwickelt wurden.

Der Einstieg ist kostenlos, was insbesondere für Start-ups eine interessante Option ist. Abhängig von der Zahl der Nutzer und der Servernutzung, können die Kosten jedoch schnell steigen. Sehr große Firmen schätzen die Stabilität der Cloud und die Vielzahl an Services. Um sich in die Lösung einzuarbeiten und sie zu verstehen, muss jedoch einiges an Zeit aufgebracht werden.

Microsoft Azure

Die Hybrid-Cloud ist seit 2010 verfügbar und verzeichnet aktuell das stärkste Wachstum. Sie ist in 140 Ländern verfügbar. Das globale Netz verfügt über mehr als 60 Knotenpunkte. 15 davon liegen in Europa, vier in Deutschland. Die Cloud gilt als führender Anbieter für Infrastructure-as-a-Service, IaaS. Ein Vorteil ist, dass sie sich leicht in bestehende Systeme integrieren lässt.

Besonders Unternehmen, die Office365 oder Active Directory nutzen, ist Azure zu empfehlen. Gleiches gilt für Nutzer von Windows-Servern, denn die Windows-Welt wird in der Cloud erwartungsgemäß gut unterstützt. Mehr als 200 Anwendungen wurden speziell konzipiert, um eine einfache Integration zu ermöglichen. Damit ist eine leichte Weiterentwicklung von Lösungen problemlos möglich.

Microsoft legt einen großen Wert auf die Sicherheit und den Schutz der Kundendaten. Die Cloud-Lösung erfüllt alle Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung und den internationalen Standard ISO/IEC 27701. Allein für die Cybersicherheit sind 3.500 Mitarbeiter im Einsatz. Dabei ist Azure für alle Branchen nutzbar, da die Cloud auch branchenspezifische Herausforderungen mit Frameworks und Tools nach Wahl des Nutzers unterstützt. Des Weiteren können Unternehmen durch Lizenzen für Windows- oder SQL-Server Kosten sparen. Auch kostenlos verlängerte Sicherheitsupdates gehören zu den Vorteilen.

Neben etablierten Unternehmen befinden sich Regierungen und Start-ups unter den Nutzern. Der deutsche Mittelstand schätzt die Cloud aufgrund ihrer niedrigen Kosten und den flexiblen Anwendungsmöglichkeiten. Obwohl Azure viele Management Tools bietet, weist es eine vergleichsweise begrenzte Zahl an Funktionen auf. Dem stehen die niedrigen Kosten, eine hohe Flexibilität und die Beliebtheit der Microsoft-Produkte gegenüber.

Google Cloud

Die Cloud-Lösung Google Cloud ist der jüngste Anbieter und tritt entsprechend modern auf. Die Zahl der Services ist mit 150 Produkten recht überschaubar. Wie Azure unterstützt auch Google Open-Source-Technologien. Der unkomplizierte Einstieg eignet sich gut für Start-ups. Google Cloud bietet zudem Rabatte und eine flexible Gestaltung der Verträge an. Neukunden erhalten ein Startguthaben. Dabei werden mehr als 25 Produkte kostenlos angeboten.

Eine weitere Stärke ist der Kubernetes-Service: Hier hat Google Vorteile, weil es den Dienst selbst entwickelt hat, bevor er zu Open Source wurde. Damit lassen sich automatisch Container bereitstellen, die auf einfache Weise skaliert und verwaltet werden können. Mit Google Cloud stehen den Unternehmen eine Reihe von Lösungen zur Verfügung. Sie reichen von einer besseren Suche nach Produkten im Einzelhandel bis hin zur Verhinderung von Bankbetrug aus. Die nutzerfreundliche Plattform bietet mit ihren hilfreichen Tools und Schnittstellenprogrammierungen, kurz APIs, eine gute Umgebung für Entwickler.

Insgesamt ist Google Cloud für viele Branchen geeignet, die Innovationen vorantreiben wollen. Neben dem Einzelhandel und den Finanzdienstleistungen zählen die Medien, das Gesundheitswesen und Hersteller von Verbrauchsgütern zu den Nutzern. Auch Gaming Unternehmen, Logistiker, Behörden und akademische Einrichtungen setzen auf Google Cloud. Das Unternehmen hat in den letzten fünf Jahren nach eigenen Angaben zehn Milliarden Dollar in die Datensicherheit investiert. In der Cloud laufen die gleichen Sicherheitsmechanismen wie allgemein bei Google ab. Mit BeyondCorp besitzt der Anbieter ein Zero-Trust-Modell. Es ermöglicht praktisch überall auf der Welt das sichere Arbeiten ohne die Nutzung von virtuellen privaten Kommunikationsnetzen, VPNs.

Zudem sind die Nutzer durch die Verwendung von Apps als Open-Source-Lösung nicht so stark von einem Softwareanbieter abhängig. Google Cloud ist schneller als die anderen beiden Lösungen. Jedoch stehen der hohen Effizienz weniger Funktionen und Dienste gegenüber.

Paul Niebler, Pexon Consulting

Paul Niebler
ist IT-Experte mit dem Schwerpunkt auf Cloud-Lösungen. Gemeinsam mit Phillip Pham gründete er die Pexon Consulting GmbH und berät Unternehmen, wie sie mit der Cloud Zeit und Kosten sparen können.

https://www.silicon.de/41701392/amazon-web-services-azure-oder-google-cloud

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