Noch steigen die Budgets: In Krisenzeiten wird der Cloud-RoI zum Thema

Auch wenn sich die Konjunktur abschwächt, werden Unternehmen weiter kräftig in Cloud Computing investieren. Doch nicht alle werden damit erfolgreich sein.


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Während zahlreiche Unternehmen mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert sind und ihre Budgets in vielen Bereichen kürzen, kommt ein aktueller Bericht von Gartner zu dem Ergebnis, dass die Public-Cloud-Ausgaben auch 2023 noch um 20 Prozent auf insgesamt 591 Milliarden Dollar steigen werden.

Der Report deckt sämtliche Cloud-Kategorien ab, einschließlich Infrastructure as a Service (IaaS), Software as a Service (SaaS) und Platform as a Service (PaaS). Im Bereich IaaS erwarten die Auguren für nächstes Jahr das größte Wachstum: Die Ausgaben der Unternehmen sollen sich hier auf 150 Milliarden Dollar summieren. das wäre ein Anstieg um 29 Prozent im Vergleich zu den in diesem Jahr erreichten 115 Milliarden Dollar.

Der Trend ist also weiter intakt – aber wie lange noch? Bleibt der Markt für Cloud Computing von konjunkturellen Schwankungen wirklich unberührt? Und wie werden sich die Anwenderunternehmen verhalten?

Die Cloud-Migration ist ein Megatrend, der momentan keine Schwäche zeigt. IaaS ist derzeit das bevorzugte Ziel. Ich höre immer wieder, dass Unternehmen diesen Weg auch deshalb konsequent weitergehen, weil sie nicht mehr daran glauben, auf Dauer genügend fachkundiges Personal beschäftigen zu können, das die zunehmend komplexen eigenen Infrastrukturen beherrschen und weiterentwickeln kann. Die Rezession spielt dabei gar keine so wichtige Rolle: Viele Firmen erwarten, dass sie nur von kurzer Dauer sein wird. Die wenigsten planen heute noch, ihre kostenbaren IT-Beschäftigten in eine mögliche Entlassungswelle einzubeziehen.

In der IT steigt die Komplexität permanent. Der Wechsel in eine Multi-Cloud-Welt wirft viele architektonischen Probleme auf, für deren Lösung die Unternehmen gutes Personal brauchen. Darüber hinaus verkompliziert sich die Art und Weise, wie Anwendungen migriert werden: Statt Lift & Shift heißt es in vielen Fällen heute Refactoring oder Cloud-Native-Neuimplementierung.

Cloud Computing hat sich zu einer strategischen Technologie entwickelt, die Unternehmen für den Geschäftserfolg als notwendig erachten. Wer in innovative Technologien investiert, steigert sein eigenes Innovationspotenzial – dieser Logik folgen viele Unternehmen, ganz gleich, ob sie Roboter oder Autoreifen herstellen.

Das heißt aber beileibe nicht, dass in der IT im Allgemeinen und in den Cloud-Projekten im Besonderen alles perfekt liefe: Ich habe mich bereits ausführlich mit den Schattenseiten des Cloud Computing befasst, weil ich glaube, dass wir eine realistischere Sicht auf diese Technologie brauchen. Von einem bestimtmen Zeitpunkt an muss auch dei Cloud handfeste Mehrwerte generieren – und das ist in vielen Fällen noch nicht der Fall. Es gibt bereits die ersten Betriebe, die Alarm zu schlagen und Cloud-Projekte auf Eis legen.

In den meisten Fällen sind die Probleme allerdings selbst verschuldet. Werden strategische oder Planungsfehler gemacht, kann die Cloud-Migration schnell zu einem Misserfolg werden. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Finanzierung eines Cloud-Vorhabens aus den Fugen gerät. Oft ist das größte Problem ein mangelndes Verständnis der Technologie – im Kleinen wie im Großen. Für viele Unternehmen ist Cloud Computing Neuland, kleinere Herausforderungen türmen sich schnell zu größeren Problemen auf. Dabei steht der strategische Nutzen der Cloud keineswegs in Frage. Die Umsetzung bereitet Sorgen.

Einige Unternehmen versuchen auch Cloud-Migrationsstrategien nach dem Motto “One size fits all” zu entwickeln. Sie verschieben dann erst einmal alle Anwendungen und Daten im Lift-and-Shift-Verfahren in die Cloud. Andere verfolgen den gegenteiligen Ansatz und verlagern ihre Anwendungen in eine Containerumgebung. Beide Gruppen erkennen dann schnell, dass ihre Strategien zu unnötigen Kosten oder, noch schlimmer, zu entgangenen Geschäftsmöglichkeiten führen.

Der Eindruck, dass die Cloud-Welle jede Konjunkturdelle schadlos überstehen wird, könnte sich schon bald als trügerisch herausstellen. Irgendwann trennt sich die Spreu vom Weizen. Einige Unternehmen werden dann gute Fortschritte vorweisen, andere hinken hinterher und werden versuchen, ihr Scheitern zu verschleiern. Interesanterweise werden beide Gruppen aller Voraussicht nach ähnlich viel Geld ausgeben. Das verdeutlicht: Erfolgskritisch ist nicht die Technologie, sondern die Fähigkeit des eigenen Personals und der Dienstleister, Cloud Computing vernünftig einzuführen. (fm)

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation InfoWorld.

https://www.computerwoche.de/a/in-krisenzeiten-wird-der-cloud-roi-zum-thema,3613166

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