IT im Konzern: Diese Skills muss ein CIO mitbringen

CIOs in Großkonzernen müssen andere Fähigkeiten mitbringen als IT-Führungskräfte in kleinen und mittleren Unternehmen.

Während viele – vielleicht sogar die meisten – CIOs damit zufrieden sind, den IT-Betrieb in einem kleinen oder mittelgroßen Unternehmen zu leiten, haben andere ehrgeizigere Ziele: Sie möchten auf der IT-Karriereleiter ganz nach oben klettern. CIOs in Konzernen mit einer Marktkapitalisierung von zehn oder hundert Milliarden Euro sind in der Regel eine andere Spezies als ihre Peers in kleineren Organisationen. Von IT-Leitern in den größten Unternehmen werden Kenntnisse und Fähigkeiten erwartet, die in KMUs eher unwichtig oder sogar völlig überflüssig sein können.

Für IT-Führungskräfte, die den Sprung in ein Top-Unternehmen schaffen wollen, ist es notwendig, genau zu verstehen, welche Anforderungen hier an einen CIO-Kandidaten gestellt werden. Die folgenden sieben Attribute finden sich häufig auf den “Must-have”-Listen der Megakonzerne für CIOs.

Große Unternehmen bevorzugen in der Regel CIOs, die zu transformativen Führungskräften werden können. Zudem sollten sie über die Vorstellungskraft sowie die Fähigkeit verfügen, innovative Technologiestrategien zu entwickeln, die künftige Wachstumsmöglichkeiten unterstützen. “Transformationsführer” inspirieren ihre Teams dazu, Veränderungen anzunehmen, innovativ zu sein und die Zukunft der gesamten Organisationsstruktur zu gestalten.

Das Auftreten als Führungskraft ist in vielerlei Hinsicht das entscheidende Unterscheidungsmerkmal zwischen einem CIO, der als gewöhnlicher Technologe angesehen wird, und jemandem, der einen wichtigen Beitrag zur Gesamtstrategie des Unternehmens leistet, sagt David E. Ulicne, Senior Director of Executive Education am Heinz College of Information Systems and Public Policy der Carnegie Mellon University. “Die wichtigste Eigenschaft für den Erfolg des CIOs ist die Fähigkeit, seine Vision zu formulieren und die Unterstützung der wichtigsten Interessengruppen zu gewinnen.”

Ulicne zufolge ist transformative Führung in der Regel eine erworbene Eigenschaft. “Üben, üben, üben, um Selbstvertrauen zu gewinnen und die Fähigkeit auszubauen, überzeugende Geschichten zu erzählen”, rät er. Dazu gehöre auch, auf IT-Konferenzen und -Symposien Reden vor Publikum zu halten. “Filmen Sie sich selbst bei einer zehnminütigen Präsentation und bitten Sie Ihr Medienteam um konstruktives Feedback”, schlägt Ulicne vor. “Und melden Sie sich für ein Programm zur Entwicklung von Führungskompetenzen an, um von Experten geschult zu werden.”

Heutzutage benötigen alle großen Unternehmen einen Technologieplan, der vollständig in die übergeordnete Geschäftsstrategie integriert werden kann. “Sie müssen im Grunde deckungsgleich sein”, fordert Amanda Alwy, Senior Vice President für Innovation und IT in Nordamerika beim Personalberatungsunternehmen ManpowerGroup. Ein CIO sei eine Führungskraft durch Technologie wie ein CFO ein Unternehmensleiter durch Finanzen. “Es kann nicht andersherum sein”, so Alwy. Unabhängig davon, wo sich ein Unternehmen auf seiner Transformationsreise befinde, sei es letztlich Technologie, die das Kundenerlebnis, die Effizienz, die Produktivität und das Wachstum fördere.

Um sich auf eine Position in der ersten Liga vorzubereiten, empfiehlt Alwy, Zeit mit Business-Kollegen, Kunden und Klienten zu verbringen. “So stellen Sie sicher, dass Sie durch Beziehungen den Erfolg des IT-Teams und des Business’ sicherstellen. Darüber hinaus sollten Sie sich auch als aktiver und sachkundiger strategischer Berater für Stakeholder aus Fachabteilungen positionieren”, erklärt sie. “Es ist bemerkenswert, was ein CIO durch funktionsübergreifende Zusammenarbeit bewirken kann, um innovative und geschäftsorientierte Lösungen anzustoßen.”

Ein einfallsreicher CIO ist in der Lage, eigene Erfahrungen mit verschiedenen Variablen zu kombinieren, beispielsweise mit anerkannten Rahmenwerken, Methoden sowie kulturellen und politischen Gegebenheiten. “Ein neuer CIO mit großem Einfallsreichtum ist in der Lage, das aktuelle Paradigma des Unternehmens in Frage zu stellen und den Weg in die Zukunft zu weisen”, berichtet Greg Bentham, Vice President für Cloud-Infrastrukturdienste bei Capgemini Americas.

Der Eintritt in ein großes Unternehmen und der Aufbau von Vertrauen innerhalb einer neuen Organisation ist vielleicht die schwierigste Aufgabe, der sich ein CIO jemals stellen wird. Viele Hindernisse werden unweigerlich auftauchen und müssen beseitigt werden. Zwar kann auf frühere Erfahrungen und Rahmenbedingungen zurückgegriffen werden, doch die Realität zeigt, dass sich die Geschichte nie genau wiederholt. Top-Unternehmen würden von ihrem neuen CIO erwarten, dass er über das Wissen und die Kreativität verfügt, um selbst die schwierigsten Hindernisse zu überwinden, so Bentham. “Der beste Weg, um einfallsreich zu werden, ist die direkte Erfahrung, die man im Laufe seiner IT-Karriere gesammelt hat – insbesondere diejenigen Erfahrungen, die zu organisatorischen Veränderungen geführt haben.”

In der heutigen Cyberwelt sitzen CIOs am Ruder, die ihr Unternehmen auf neue Chancen ausrichten, während sie gleichzeitig mit ständigen technologischen Herausforderungen konfrontiert sind. Und es wird Phasen geben, in denen scheinbar vielversprechende Ansätze einfach nicht funktionieren. “Diese Erfahrungen sollten nicht als Misserfolge oder Rückschläge betrachtet werden, sondern als Lektion, als Chance, sich als CIO weiterzuentwickeln”, rät Earl Matthews, Präsident des Anbieters von Backup- und Recovery-Services Veeam Government Solutions.

“IT-Verantwortliche können die Herausforderungen nutzen, um mehr über den Job und das Umfeld zu lernen, was langfristig zu einer stärkeren Führungspersönlichkeit führen wird”, so Matthews. Dazu gehöre auch, dass CIOs in der Lage sind, unterschiedliche Teams zu führen. Hierbei geht es darum, sowohl mit technischen Experten als auch mit nicht Tech-affinen Personen wirkungsvoll zu kommunizieren. Die Fähigkeit, andere Führungskräfte zu verstehen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, um Chancen zu eröffnen und Probleme zu lösen, ist ebenfalls entscheidend für die Performance eines Konzern-CIOs. Anpassungsfähigkeit macht einen CIO nicht nur zu einem effektiven Manager, sondern auch zu einer starken Führungskraft.

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Daten und damit verbundene Technologien bilden die Grundlage dafür, dass große Unternehmen bahnbrechende Ergebnisse erzielen können. Die Data Policy sollte auf Benutzerfreundlichkeit und Verfügbarkeit ausgerichtet sein, um den unternehmensweiten Zugriff auf relevante Daten zu ermöglichen und die Endanwender in die Lage zu versetzen, schnell aktiv zu werden, sagt Mike Capone, CEO des Anbieters von Business-Analytics-Plattformen Qlik. “In der Praxis bedeutet dies ein viel größeres Engagement in der Cloud, Automatisierung sowie die Generierung von verwertbaren Erkenntnissen auf jeder Ebene.”

Heute werde zunehmend verlangt, dass das gesamte Unternehmen datengetrieben ist. “Jede Studie, die von führenden Unternehmen wie McKinsey und Gartner durchgeführt wird, macht dies deutlich”, berichtet Capone. “Wir wissen, dass Unternehmen, die Daten effektiv nutzen, Störungen leichter bewältigen und häufiger erfolgreich sind.”

Unabhängig davon, ob es um die Entwicklung und Implementierung von Strategien, die Auswahl von Anbietern oder die Einführung neuer Maßnahmen geht, müssen sich Top-CIOs laut Capone immer wieder eine grundsätzliche Frage stellen: Wie wird diese Entscheidung den Weg zum Ziel unterstützen, wie wird sie mehr Daten in die Hände von mehr Menschen übertragen, wenn diese sie brauchen, um wie kann sie ein positives Ergebnis für das Business gewährleisten?

Emotionale Intelligenz oder der emotionale Quotient (EQ) ist die Fähigkeit, persönliche Emotionen zu verstehen, zu nutzen und auf positive Weise zu steuern, um effektiv zu kommunizieren, Stress abzubauen, sich in andere einzufühlen, Herausforderungen zu bewältigen und Konflikte zu vermeiden. In der Praxis ermöglicht der EQ einem CIO, Vertrauen aufzubauen, zusammenzuarbeiten und starke, flexible Teams zu bilden.

“Der CIO von heute muss mit allen Geschäftsbereichen kooperieren und Infrastruktur-, Sicherheits- sowie Disaster-Recovery-Funktionen koordinieren, während er gleichzeitig die Erwartungen steuert und Anweisungen des Vorstands aufgreift”, sagt Andrew Jarrett, Director of Cybersecurity Defense and Compliance beim IT-Dienstleister AMSYS Innovative Solutions. Große Unternehmen schätzen in der Regel hochqualifizierte CIO-Kandidaten, da diese besser in der Lage sind, zu kollaborieren, gegenseitig Vertrauen mit Kollegen aufzubauen und andere talentierte Personen anzuziehen.

“Ein CIO kann der klügste und technisch fähigste Mensch der Welt sein, aber wenn er nicht in der Lage ist, fachkundig zusammenzuarbeiten, wird er bei der Umsetzung seiner Vision nicht erfolgreich sein”, erklärt Jarrett. Viele Führungskräfte, Coaches und Autoren sind der Meinung, dass der EQ mit der Zeit durch Studium und Training verbessert werden kann. Jarrett rät daher CIOs, ihre EQ-Fähigkeiten durch die Teilnahme an Kooperationsprojekten zu verbessern, “sowohl als Leiter als auch als Follower”. Er empfiehlt zudem die Lektüre von einschlägigen Büchern zur emotionalen Intelligenz.

Alle IT-Führungskräfte müssen hervorragende Kommunikatoren sein, aber CIOs in großen Unternehmen arbeiten auf einem viel höheren Niveau als ihre Kollegen in KMUs. Dies ist in erster Linie der reinen Größe der Organisation geschuldet und zeigt sich in der Anzahl der Systeme, Teams, Manager, Standorte oder Abteilungen. Mit der Folge, dass eine Vielzahl von Informationen erfasst, verarbeitet und an andere Parteien weitergeleitet werden muss.

“Konzern-CIOs müssen in der Lage sein, ihre Gedanken effektiv und prägnant zu vermitteln und in Aktionen umzusetzen, um den Dialog zwischen verschiedenen Teams zu erleichtern”, berichtet Cleo Valeroso, Vice President of Global People Operations bei ZEDEDA, einem Anbieter von Software für verteilte Edge-Orchestrierung und Virtualisierung. Der CIO eines Großunternehmens sollte daher effektiv mit dem Management, Kunden, Aktionären, Medien, Marktanalysten und Regierungsvertretern kommunizieren.

Valeroso rät aufstrebenden CIOs, sich der besonderen Verantwortung bewusst zu sein, die mit der Anstellung in einem Spitzenunternehmen einhergeht, und sich entsprechend vorzubereiten. “Nehmen Sie an Aktivitäten teil, die nicht in Ihrer Komfortzone liegen, um Ihre Fähigkeiten zu entwickeln und Ihr Wissen zu erweitern”, fordert sie. “Außerdem sollten Sie sich ständig weiterbilden, um Ihren Geist zu schärfen und Ihre Kommunikations-Skills auf dem neuesten Stand zu halten.”

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation cio.com

https://www.cio.de/a/diese-skills-muss-ein-cio-mitbringen,3685740

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