Legacy-Datenbanken: Cloud frisst Database

Die Kombination aus Open Source und Cloud gräbt Legacy-Datenbankanbietern das Wasser ab.


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Oracle konnte jahrzehntelang für sich beanspruchen, der größte Datenbankanbieter der Welt zu sein. Das ist vorbei – inzwischen hat Microsoft diese Rolle übernommen. Zumindest nach Umsatz, wie die Marktforscher von Gartner in einem aktuellen Bericht hervorheben. Demnach ist auch AWS an Oracle vorbeigezogen – und auch Google ist dem ehemaligen Datenbank-Primus auf den Fersen, der Jahr für Jahr an Boden verliert. Ursächlich für diese tektonische Verschiebung auf dem Database-Markt: die Cloud.

Gartner-Analyst Merv Adrian drückt es so aus: “Das größte Thema im Datenbankmarkt ist nach wie vor die enorme Verlagerung von Umsätzen in die Cloud”. Diese Aussage ist zwar richtig, aber unvollständig. Denn es ist nicht nur die Cloud, die den einst so stabilen Datenbankmarkt auf den Kopf gestellt hat. Vielmehr hat die Kombination aus Open Source und Cloud die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Daten managen, nachhaltig verändert.

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Jahrzehntelang schienen die Database-Kräfteverhältnisse in Stein gemeißelt. Unternehmen hatten wenig Auswahl: Oracle, Microsoft und IBM. Auch die Developer hatten keine andere Wahl, als das zu verwenden, was die Legal- oder Einkaufs-Abteilung genehmigte. Bis Open Source auf die Bühne trat.

Die erste Version von PostgreSQL wurde 1986 veröffentlicht, im Jahr 1995 folgte MySQL. Beide Lösungen konnten die etablierten Anbieter nicht verdrängen – zumindest wenn es um traditionelle Workloads ging. MySQL hat dabei früh einen klugen Weg eingeschlagen und wurde zum “M” im berühmten LAMP-Stack (Linux, Apache, MySQL, PhP/Perl/Python). Oracle, SQL Server und DB2 hingegen blieben auf ihrem Kurs, mit dem Anspruch für die “ernsthaften” Workloads im Unternehmen zuständig sein.

Entwickler liebten indes die neu aufkommenden Open-Source-Datenbanken, weil sie mehr Freiheiten boten. Im Laufe der Zeit setzte sich Open Source auch bei den IT-Einkäufern durch, wie Gartner aufzeigt. Dann kam die Cloud und beschleunigte die Veränderungen im Datenbankmarkt noch einmal massiv.

Im Gegensatz zum Open-Source-Konzept, das auf kleineren Communities und Unternehmen fußt, wurde die Cloud von milliardenschweren Entwicklungsbudgets gestützt. Anstatt das Open-Source-Datenbankrad neu zu erfinden, übernahmen die Hyperscaler Datenbanken wie MySQL und verwandelten sie in Cloud Services wie Amazon RDS. Plötzlich hatte MySQL (das Oracle-Gründer Larry Ellison 2018 in den Dreck zog, obwohl Oracle durch die Übernahme von Sun Eigentümer von MySQL war) das Gewicht, um Unternehmensanwendungen in großem Umfang zu betreiben. Oracle oder DB2 liefern zwar immer noch unter den großen Enterprise-ERP-Systemen, aber bei vielen anderen Firmen waren es Cloud-Datenbank-Services für Apache Cassandra, MongoDB, MySQL, PostgreSQL und andere, die die nächste Welle von Internet- und Unternehmenspplikationen antrieben.

Natürlich bleibt – wie Gartner-Analyst Adrian erklärt hat – “die Trägheit bei Legacy-Datenbanken groß”. Solche Systeme schaltet man nicht über Nacht einfach ab. Aber diese Trägheit weicht allmählich auf, der Reiz des größeren Komforts in der Cloud wird immer größer.

Ein Blick auf das DB-Engines-Ranking der weltweit beliebtesten Datenbanken zeigt, dass Oracle zwar nach wie vor an der Spitze steht (gemessen an Stellenausschreibungen, Google-Suchanfragen und mehr) – seine relative Position aber allmählich an Open-Source-Engines verliert. Betrachtet man die 50 wichtigsten Datenbanken, so ist der relative Aufstieg der Cloud-Datenbanken deutlich zu sehen. Folgende Darstellung von DB Engines visualisiert den Aufstieg und Fall der einzelnen Datenbanken im Zeitverlauf:

Adam Ronthal, Analyst bei Gartner, hat eine andere Sichtweise auf die Verlagerung des Datenbankmarktes in Richtung Cloud:

Die Unternehmen, die sich früh auf die Cloud eingelassen haben, schneiden gut ab. AWS ist fast doppelt so schnell gewachsen wie der gesamte Datenbankmarkt, während Microsofts Fokus auf die Cloud das Unternehmen fast im Einklang mit der Marktrate von 22,3 Prozent gehalten hat. “Im Gegensatz dazu ist der Umsatz von Oracle in der Cloud deutlich unter der Marktrate gewachsen”, konstatiert Adrian. Für ein Unternehmen, das die Cloud lange Zeit eher spöttisch betrachtet hat, sei es nicht überraschend, dass es hinterherhinkt.

Was bedeutet das für Unternehmen?

  1. Es gibt wohl keine Möglichkeit, den “Open Source plus Cloud”-Trend umzukehren. Entwickler haben einfachen Zugang zu den von ihnen favorisierten Datenbanken und können diese problemlos über Managed Services wie Googles BigQuery ausführen.
  2. IT-Fachleute müssen sich mit einer neuen Art von IT-Anbietern vertraut machen. Es ist unwahrscheinlich, dass Legacy-IT-Unternehmen künftig noch die erste Wahl für moderne Workloads sein werden. In gewisser Weise sind Unternehmen sicher noch an Legacy-Datenbanken gebunden, wenn es um absolut Business-kritische Workloads geht – doch es stehen eine ganze Reihe von Tools bereit, um die Migration auf modernere, Cloud-basierte Datenbanken zu stemmen. Für die Workloads, die Ihr Unternehmen in die Zukunft befördern, werden Sie mit Sicherheit mit einer ganz neuen Klasse von Datenbankanbietern zusammenarbeiten (Microsoft ausgenommen, das den Übergang zur Cloud recht gut bewältigt hat).

Sind Sie bereit? Ihre Entwickler sind es auf jeden Fall. (fm)

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation Infoworld.

https://www.computerwoche.de/a/cloud-frisst-database,3553959

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