Was brauchen autonome IT-Teams?

Der Prozess der Software-Entwicklung ist vor allem durch Kollaboration diverser Teams und Kreativität geprägt, Tendenz steigend. Eigenbrötler mit wenig Sozialkompetenz sind hier falsch. Der menschliche Faktor spielt eine bedeutsame Rolle in diesem Beruf. Denn es geht darum, gute Ideen schnell auf den Markt zu bringen.

Gleichzeitig ist kaum eine Branche so geprägt vom Fachkräftemangel wie die IT. Das Einstellen, Binden und die Weiterentwicklung neuer Talente stellen die größte Herausforderung für Führungskräfte dar. Denn die Nachfrage nach Tech-Spezialisten übersteigt das Angebot auf dem Stellenmarkt, sodass Unternehmen immer mehr herausstechen müssen.

Wurden früher Entscheidungen nach klassischen Führungsprinzipien weitergeleitet, entweder top down oder bottom up, müssen Entscheidungen heute schnell, kunden- und produktzentriert getroffen werden. Um dies zu erreichen, ist es laut der Technologieberatung Thoughtworks wichtig, Produktentscheidungen auf Teamebene zu treffen. Auf Entscheidungen von Führungskräften zu warten, dauert zu lange, auch wenn dies unter Umständen bedeutet, von der Meinung der Führungskraft abzuweichen. Dazu bedarf es einer offenen und transparenten Unternehmenskultur. Die Erfahrung und Meinung der Chefetage wird durch kontinuierliches Kunden-Feedback und Lernen des Teams ersetzt. Führungskräfte erklären die Vision, coachen und fördern, dass sich Teams auch kritischem Feedback öffnen.

Das Ziel im Auge behalten

Manch eine Führungskraft fühlt sich mit diesen neuen Aspekten der Führung überfordert. Hier müssen entsprechende Hintergründe geliefert werden. Wie funktionieren diverse Teams? Welche Aspekte innerhalb der Teams kann das Management fördern?

In Form von Trainingsangeboten, Führungskräfte-Coachings und Verhaltensrichtlinien können Unternehmen der Führungsriege hierbei Unterstützung bieten. Auch das Thema „Konfliktlösung“ muss neu geschult werden, denn durch cross-funktionale Zusammenarbeit kann es häufiger zu Konflikten an den unterschiedlichen Schnittstellen verschiedener Bereiche kommen. Diese Konflikte gilt es dann, nicht zu kontrollieren, sondern als Führungskraft das Team zu unterstützen, diese zu durchleben und dabei das gemeinsame Ziel im Auge zu behalten. In Extremfällen sollte auch die Bereitschaft der Führungskraft bestehen, Teams umzustrukturieren.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Mitarbeiter bringen – genauso wie Spitzensportler – nur unter optimalen Bedingungen ihr Bestes. Hauptaufgabe einer Führungskraft ist es also, inspirierende Arbeitsplatzbedingungen und ansprechende Leistungsmöglichkeiten zu schaffen. Führung im Sinne des „Servant Leaderships“ – also einer dienenden Führungsphilosophie an Stelle einer beherrschenden Führung – zu verstehen, ist dabei unabkömmlich. Bei diesem Ansatz ist eine Menge Fingerspitzengefühl gefragt, damit eine Führungskraft nicht Gefahr läuft, zu stark in das Team einzugreifen und Mikromanagement zu betreiben.

Auch ein inklusives und transparentes Arbeitsumfeld sorgt dafür, dass Teams erfolgreich sind. Nur wenn alle Meinungen gehört werden, kann etwas Besonderes entstehen. Herrscht eine solche Atmosphäre, lernen Teams, sich immer wieder selbst zu verbessern und das Kunden-Feedback zu nutzen: die Grundzutat für außergewöhnliche Leistungen.

Vorgesetzte von heute sind demnach vor allem „Enabler“, also Möglichmacher. Sie fördern die Selbstorganisation ihrer Mitarbeiter und schaffen Freiräume für Belange der Kunden. Sie bremsen ihre Teams nicht aus und halten sie klein, vielmehr machen sie diese stark, damit sie ihre Kreativität und Kraft dem Unternehmen und damit den Kundenprojekten widmen können.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Noch Luft nach oben

Viele Studien, darunter die von Bitkom durchgeführte Studie „Frauen in der ITK-Branche 2022“, zeigen, dass weibliche Fach- und Führungskräfte in der IT unterrepräsentiert sind. Auch hier ist Luft nach oben. Frauen und andere Minoritäten müssen aktiv in den Recruiting-Prozess integriert werden, um als gutes Vorbild für andere sichtbar zu sein. Es geht dabei nicht darum, Genderquoten als Zahlenspiel vorzuführen, sondern Entwicklungsmöglichkeiten für (junge) Frauen aufzeigen.

Die derzeitigen Veränderungen in der Gesellschaft, Wirtschaft und IT fordern den menschlichen Faktor weitreichend und auf unterschiedlichsten Ebenen. Um mit diesen Veränderungen mitzugehen, erfolgreich zu bleiben und High Performer zu binden, müssen sich Unternehmen immer wieder wandeln und neu erfinden.

Bildquelle: Thoughtworks

https://www.it-zoom.de/it-director/e/was-brauchen-autonome-it-teams-31298/

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