Gartner Magic Quadrant: So sieht der RPA-Markt 2022 aus

Dank der Möglichkeit, mit RPA Geschäftsprozesse zu automatisieren und die Effizienz zu verbessern, sind Software-Bots nach wie vor gefragt.


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Obwohl es Robotic Process Automation (RPA) bereits seit etlichen Jahren gibt, steckt in dem Thema nach wie vor Musik drin. So wuchs der weltweite Umsatz mit RPA-Software 2021 laut Gartner mit einer Wachstumsrate von 31 Prozent deutlich stärker als der gesamte Softwarebereich (16 Prozent). Der Grund, so Gartner-Analystin Cathy Tornbohm: “Unternehmen nutzen RPA, um ihre Initiativen zur Automatisierung von Geschäftsprozessen und ihre Pläne zur digitalen Transformation zu beschleunigen und die betriebliche Effizienz zu verbessern.” Für das laufende Jahr rechnen die Marktforscher immerhin noch mit einem Anstieg von 19,5 Prozent auf voraussichtlich 2,9 Milliarden Dollar. Und auch für 2023 wird mit 17,5 Prozent ein zweistelliges Wachstum prognostiziert.

Angesichts dieser Entwicklung ist es kein Wunder, dass der RPA-Softwaremarkt sehr wettbewerbsintensiv ist und sich die Anbieterlandschaft ständig weiterentwickelt. So beginnen mittlerweile Player aus angrenzenden Märkten – darunter Integrationsanbieter und große Softwarehersteller – damit, zusätzlich zu einem API-First-Ansatz auch RPA-Funktionen anzubieten. Im Gegenzug bauen auch viele reine RPA-Anbieter ihre API-Integrationsfähigkeiten kontinuierlich aus, so dass sie ihren Kunden sowohl User-Interface-Scraping als auch API-first-Automatisierungsansätze anbieten können. Bis 2024, so schätzt Gartner, werden 95 Prozent der RPA-Anbieter Automatisierung sowohl über API- als auch über UI-Integration anbieten.

Und wie bereits im Vorjahr prognostiziert, werden auch die Features der RPA-Produkte ausgeweitet. Der Trend geht in Richtung einer allumfassende Technologieplattform für die Hyperautomatisierung, die zusätzlich zu robotergestützter Prozessautomatisierung auch Low-Code-Anwendungsplattformen, Process Mining, Task Mining, Entscheidungsmodellierung, iPaaS, Computer Vision und IDP-Funktionen umfasst.

Doch nicht nur in technischer Hinsicht verändert der Markteintritt von großen Anbietern wie IBM, Microsoft, Salesforce (MuleSoft) und SAP die Marktlandschaft rapide. Wie Gartner berichtet, nehmen diese mit aggressiven Angeboten und niedrigen Einstiegspreisen vor allem ihren bestehenden Kundenstamm ins Visier – sehr zum Leidwesen von RPA-Anbietern mit vergleichsweise geringen Umsätzen und begrenzter geografischer Präsenz. Zumindest den größeren RPA-Playern gelingt es, dem Angriff (noch) standzuhalten. So entfallen laut Gartner auf die 10 größten RPA-Anbieter immer noch mehr als 75 Prozent des Marktes (gegenüber 70 Prozent im Jahr 2021), die drei größten Anbieter verbuchen – wie im letzten Jahr – immer noch 52 Prozent für sich.

Nichtsdestotrotz gab es in der jüngeren Vergangenheit auch mehrere größere Übernahmen auf dem RPA-Markt. So übernahm SS&C Technologies im März diesen Jahres den britischen Anbieter Blue Prism, der Workflow-Spezialist Nintex schluckte im Februar 2021 den Konkurrenten Kryon und Salesforce-Tochter MuleSoft kaufte im September 2021 Servicetrace.

Soweit zu den äußeren Rahmenbedingungen. Was die Produktauswahl angeht, empfiehlt Gartner Managern aus dem Bereich Softwareentwicklung, bei der Evaluierung von RPA-Technologien mit der Geschäftsführung zusammenzuarbeiten, indem sie die wichtigsten Funktionen der Produkte auf ihre geschäftsspezifischen Automatisierungsanwendungsfälle abstimmen. Sie müssen den Umfang, die Komplexität, das Volumen und die Routine der einzelnen Anwendungsfälle bewerten, um die richtigen Anwendungsfälle für RPA auszuwählen.

Aus Sicht von Gartner gibt es im Bereich Robotic Process Automation eine Reihe von Must-haves sowie optionale Funktionen, mit denen sich eine Plattform von der Konkurrenz differenziert, beziehungsweise für spezielle Use-Cases besonders eignet. Obligatorische Fähigkeiten von RPA-Plattformen für Unternehmen sind:

  • Fähigkeit, über die Grafikschnittstelle mit Unternehmensanwendungen zu interagieren
  • Unterstützung für die Skriptentwicklung mit Standardprogrammiersprachen oder anbieterspezifischen Low-Code-Darstellungen (einschließlich grafischer Entwicklung)
  • Fähigkeit, eine Aufgabe aufzuzeichnen und in ein Skript zu konvertieren, das bereitgestellt werden kann
  • Unterstützung von Attended und Unattended Automation
  • Möglichkeit der Orchestrierung und Verwaltung von Benutzern, Skripten und der Laufzeit, einschließlich Konfiguration, Überwachung und Sicherheit

Zu den optionalen Funktionen von RPA-Plattformen gehören laut Gartner:

  • Erweiterte Fähigkeiten für Citizen Developer, wie integrierte, KI-gesteuerte intelligente Workflow-Entwicklung mit geführter Navigation oder Chatbot-gestützten Funktionen
  • Task-Mining- und Task-Discovery-Funktionen
  • Automatische Generierung von Workflows via Task Mining
  • Intelligente Dokumentenverarbeitung (IDP) wie Bilderfassung, Klassifizierung und Modelltraining
  • API Connectoren wie HTTP/REST, SOAP, Open APIs und andere
  • Low-Code-User-Experience (UX) für die Erstellung von GUI-Frontends für Bots
  1. Roman Schäfer, Blue Reply
    Das Wort „Übergangstechnologie“ klingt arg negativ. Irgendwie ist doch alles eine Übergangstechnologie. Nach SAP R3 kommt S4 HANA, nach Windows 7 kommt Windows 10, da spricht niemand von Übergangstechnologien. Ich spreche daher lieber von Release-Zyklen.
  2. Andreas Zehent, Deloitte
    Die flächendeckende Technologiekompetenz fehlt noch immer in den meisten Unternehmen, da bei Einstellungsverfahren in Fachabteilungen noch zu wenig Wert darauf gelegt wird. In vielen Abteilungen vieler Unternehmen können Sie außerhalb der IT die Leute, die zumindest die nötigen Grundkenntnisse mitbringen, an den Fingern einer Hand abzählen.
  3. Dr. Rami-Habib Eid-Sabbagh, Lana Labs
    Das Schöne an RPA ist doch: Die Technologien sind heute einfach zu nutzen. Durch diesen Vorteil sinkt die Hemmschwelle zur Modernisierung, und neue Türen werden aufgestoßen – mit Machine Learning und Process Mining werden in Zukunft automatisch gezielt smarte Bots gebaut werden können.
  4. Jan Wunschick, Lufthansa Industry Solutions
    Viele Firmen machen immer wieder den gleichen Fehler, sehr viele starre Prozesse zu implementieren, vor allem im Bereich der IT-Sicherheit. Der Aufwand, die Legacy-Architektur umzubauen, steigt auf diese Weise exponentiell. Gerade hier sind Plattformansätze hochspannend, weil sie den Aufwand deutlich reduzieren und viele Einsparmöglichkeiten bieten.
  5. Alexander Steiner, meta:proc
    Gerade wenn nach günstigen und schnell umzusetzenden Lösungen gesucht wird, verspricht eine RPA schnelle Wertschöpfung. Doch eigentlich ist sie nur eine Übergangstechnologie, und zwar bis zu dem Punkt, an dem eine Schnittstellentechnologie besser passt.
  6. Timo Nolle, PAFnow
    KI und Machine Learning können das Process Mining entscheidend voranbringen. Das automatische Auffinden von Anomalien in Unternehmensprozessen ist zum Beispiel ein interessantes Szenario. Dieser Ansatz geht über die heutigen Möglichkeiten von RPA hinaus, da so nicht mehr nur Prozessbilder erstellt werden, sondern automatisch Learnings gezogen werden können.
  7. Jörg Richter, Pegasystems
    Kunden kommen häufig mit großen Ambitionen. Doch nach der Implementierung einer Technologie kommt es oft vor, dass der Betrieb stockt und die Lösung unproduktiv wird. RPA ist im Endeffekt eine Lösung, die dazu dient, die Legacy zu verwalten. Unbedingt vermeiden sollte man einen Wildwuchs an Bots: Wir raten unseren Kunden daher, für sich die Frage zu beantworten, wie für sie am Ende die ideale Lösung aussehen soll, und dann danach zu handeln.
  8. Julian Beckers, Weissenberg Business Consulting
    Erfolgreiches RPA ist für mich, wenn wir eine funktionierende, verständliche und portionierbare Lösung vorlegen können, die für sich funktioniert. Auf CIO-Ebene muss immer alles gleich in große Gesamtlösungen integriert sein und reibungslos darin aufgehen. Die Realität sieht aber häufig anders aus. Wir unterliegen im Alltag natürlich vielen technologischen Beschränkungen und müssen mit dem arbeiten, was wir haben.

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Eine Hilfestellung bei der Wahl des geeignetsten Anbieters gibt Gartner in seinem Magic Quadrant RPA 2022. In der Marktübersicht hat Gartner die 15 führenden RPA-Anbieter bewertet und den klassischen Quadranten Leaders, Visionaries, Challengers und Niche Players zugeordnet.

Die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr sind zwar klein, aber nicht unwesentlich: Im Leaders Quadranten platzierten sich wie im Vorjahr die zwei führenden Pure-Play-RPA-Anbieter UiPath und Automation Anywhere sowie der neu formierte Automatisierungsspezialist SS&C Blue Prism (vormals BluePrism) und Microsoft, neu hinzu kam lediglich der überwiegend auf Contact Center und Attended RPA fokussierte Anbieter NICE.

Im RPA-Markt sind die Positionen noch lange nicht gesetzt.


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Zu den Stärken des nach Umsatz größten RPA-Anbieters UiPath zählt Gartner neben der Marktpräsenz und dem großen Kundenstamm insbesondere die Produktstrategie der Company. Die Vision des Unternehmens umfasse eine integrierte Low-Code-Plattform, die RPA, App-Entwicklung, IDP, Process Mining, Testautomatisierung, Cloud-Bereitstellung und API-Integration beinhaltet. Genutzt werden könnte die UiPath-Plattform von zahlreichen Rollen im gesamten Lebenszyklus der Prozessautomatisierung, so Gartner, von Software-Ingenieuren über Business-Technologen bis hin zu Fusions-Teams.

Gleichzeitig warnen die Marktbeobachter davor, dass die Servicequalität von UiPath nicht mit dem starken Wachstum mithalten könne. Außerdem seien die von UiPath als Ergänzung zu den RPA-Kernfunktionen angebotenen Technologien wie IDP, Process Mining oder Testautomatisierung für fortgeschrittene Kunden möglicherweise nicht ausreichend.

Konkurrent Automation Anywhere ist laut Gartner insbesondere für die Entwicklung innovativer Funktionen wie AISense für Computer Vision, IQ Bot für AI/ML Enablement, Multi-Persona-Entwicklung, die Cloud-basierte Automation 360-Plattform und AARI für UX bekannt. Außerdem werde die kürzlich erfolgte Übernahme von Fortress IQ die Unterstützung von automatischer Prozesserkennung und automatischer Erstellung von Bots zur Unterstützung dieser Prozesse zu beschleunigen. Weitere Stärken sind laut Gartner das Konzept als Cloud-basierte Automatisierungsplattform mit On-Demand-Zugriff über vier Releases pro Jahr sowie die Strategie, die Automatisierungen in Geschäftsanwendungen einzubetten. Auf diese Weise könnten Anwender die Vorteile der Automatisierung nutzen, ohne ihre gewohnte Anwendung verlassen zu müssen.

Auf der Negativseite verweisen die Analysten darauf, dass die Automation 360 Plattform von Automation Anywhere derzeit keine eingebettete Prozesserkennung bietet, die automatisch Prozessvorlagen generieren kann. Außerdem sei nur eine begrenzte Echtzeit-Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Entwickler-Personas möglich.

Mit dem Zusammenschluss von SS&C Chorus und Blue Prism zu SS&C Blue Prism werden die RPA-Funktionen von Blue Prism durch die BPA-Plattform und die Dokumentenverarbeitungsfunktionen von SS&C Chorus unterstützt. Dieses kombinierte Produktportfolio ist laut Gartner eine der Stärken, da SS&C Blue Prism somit eine einheitliche Plattform mit einer breiten Palette von Funktionen anbiete, die für Unternehmenskunden sehr interessant sein könnte. Außerdem hätten die Kunden des Gemeinschaftsunternehmen Aussicht auf ein verbessertes Angebot mit robustem Kundenservice und Support, so die Analysten. SS&C habe mehr als 100 Niederlassungen in 40 Ländern und betreue mehr als 20.000 Kunden, Blue Prism zähle mehr als 168.000 aktive RPA-Benutzer und eine Gemeinschaft von mehr als 50.000 Benutzern in 5.000 Unternehmen.

Gartner verweist jedoch darauf, dass sich die Kunden wie bei allen Fusionen und Übernahmen auf kleinere Störungen einstellen sollten. Möglicherweise müssen sie auch mit neuen Vertriebs- und Supportmitarbeitern zusammenarbeiten, und nach Abschluss der Integrationsbemühungen könne es zu Änderungen bei der Preisgestaltung und Lizenzierung kommen. Außerdem sollten sie beobachten, wie das Unternehmen die Entwicklung neuer Funktionen angeht – in der Vergangenheit habe Blue Prism bei der Entwicklung von Produktmerkmalen hinterhergehinkt.

Microsoft nimmt mit seiner Cloud-first-Automatisierungsplattform Power Automate eine gewisse Sonderstellung ein, da Microsoft-Kunden die RPA-Lösung häufig im Rahmen ihrer Microsoft 365-Unternehmenslizenz mit einem Preisnachlass erwerben können. Laut Gartner ergäben sich damit gleich zwei Vorteile – nicht nur für Microsoft, sondern auch für die Anwender: Power Automate senke nämlich nicht nur die anfänglichen Startkosten für RPA, sondern biete regelmäßigen Nutzern von Microsoft-Anwendungen zudem ein vertrautes Erscheinungsbild. Bei mehr als 500.000 Unternehmen, die Power Automate nutzen, verfügt die Power Platform zudem über ein robustes Partner-Ökosystem mit mehr als 500 Implementierungspartnern und einer Community von mehr als zwei Millionen Nutzern. Außerdem lässt sich Power Automate in das Microsoft-Ökosystem mit einer Vielzahl beliebter Anwendungen sowie in Unternehmensanwendungen anderer Hersteller integrieren.

Gartner moniert jedoch, dass Power Automate-Benutzer in der Regel Schwierigkeiten hätten, zwischen verschiedenen Schnittstellen zu navigieren, da die Plattform eine Mischung aus dem API-zentrierten Cloud-Flow von Microsoft, dem RPA-Desktop-Flow von Power Automate for Desktop sowie Konnektoren und Apps von Teams bietet. So sei Power Automate for Desktop der Eckpfeiler von Microsofts RPA, die Automatisierung beginne jedoch oft im Power Automate-Webportal.

Einen weiteren Schwachpunkt sehen die Analysten im Bereich Unattended Automation. Außerdem erfordere Power Automate für ein End-to-End-Lifecycle Management von Automatisierungen mehrere Microsoft-Komponenten, die in Azure und Power Platform verfügbar sind.

NICE, laut Gartner fünftgrößter RPA-Anbieter nach Umsatz gemessen, leidet aus Sicht der Analysten weiterhin unter der – falschen – Wahrnehmung der Kunden, hauptsächlich Attended RPA und auf Contact Center und Kunden-Support ausgerichtete Lösungen anzubieten. Außerdem verfüge das RPA-Produkt von NICE über relativ begrenzte Echtzeit-Kollaborationsfunktionen für Entwickler – insbesondere zwischen Fachbereich und IT – und unterstütze noch keine fortgeschrittenen Funktionen wie Videos zur Fehlerprotokollierung, AutoML und natives IDP. Damit nicht genug müssten sich Anwender bei zwei Tools anmelden, um Automatisierungen zu entdecken, zu entwerfen, zu entwickeln und einzusetzen.

Zu den Stärken zählt laut Gartner dagegen die Innovationskraft von NICE. So wurde etwa der Automation Finder durch Semisupervised Learning erweitert, um eine genaue Priorisierung der gefundenen Prozesse zu ermöglichen. Außerdem basiere die elastische Cloud-Architektur von NICE auf Microservices, die vollständig “gedockert” und mit Kubernetes containerisiert sind. Der RPA-Assistent NEVA könne mit Hilfe von Sprachanalysen jeden beliebigen Satz aufgreifen und die nächstbeste Aktion empfehlen. Außerdem biete NICE einen relativ niedrigen Einstiegspreis für sein RPA-Produkt und ermöglicht es Kunden, aus verschiedenen Preisstrukturen zu wählen, darunter Abonnement-, Dauer-, Use-Case- oder transaktionsbasierte Modelle.

Im Challengers-Segment befindet sich mit dem Aufstieg von NICE und dem Ausscheiden von EdgeVerve nur noch ein Anbieter: WorkFusion. Kunden des hauptsächlich in Nordamerika tätigen RPA-Anbieters sind in der Regel große Unternehmen, insbesondere solche aus stark regulierten Bereichen wie Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen. Zu den Stärken von WorkFusion gehört laut Gartner der starke Fokus auf den Sektor. So machten seine vorgefertigten KI/ML-Modelle, AutoML-Funktionen und die branchenspezifische Bibliothek von RPA-Komponenten machen WorkFusion zu einer guten Option für Banken und Finanzdienstleister. Mit einer Finanzierung von 220 Millionen Dollar sei zudem der weitere Fortbestand des sechstgrößten RPA-Anbieters trotz des Markteintritts von größeren Playern gesichert.

Gartner moniert jedoch, dass der starke Branchenfokus von WorkFusion Kunden aus anderen Bereichen abschrecken könnte. Außerdem hätten Kundenbefragungen ergeben, dass das Produkt von WorkFusion erhebliche technische Kenntnisse erfordert, z. B. Java und fortgeschrittene KI/ML mit Python. Anstatt schnelle kleine Automatisierungen durchzuführen, konzentriere sich WorkFusion darauf, komplexere, hochwertige Anwendungsfälle zu ermöglichen, so die Analysten.

In den Visionaries Quadrant platzierte Gartner – wie im Vorjahr – Pegasystems und Appian, neu hinzukamen SAP und Salesforce (MuleSoft), das an die Stelle von Servicetrace rückt.

Zu den Stärken von Pegasystems gehört laut Gartner das Produktportfolio: Pega RPA umfasst ein Design-Studio, einen Orchestrierungsmanager und einen Bot-Manager für Attended und Unattended Automation. Es ist zudem eng mit der übergreifenden Automatisierungsplattform Pega Infinity integriert. Pega RPA bietet auch eine im Vergleich zu vielen Konkurrenten breite Palette von UI-Konnektoren an, so die Analysten. Außerdem biete Pega Innovationen wie eine Prozess-KI zur Ergänzung des klassischen Task Mining und verfüge über ein großes Ökosystem.

Gartner warnt jedoch davor, dass Pega-Infinity-Implementierungen recht komplex sein können und einen großen Pega-Footprint erzeugten. Außerdem ziele die Company trotz Anpassungen beim Preismodell weiterhin auf große Unternehmen mit hohen Budgets ab.

Eine der Stärken, aber auch Schwächen von Appian ist laut Gartner der Fokus auf groß angelegte Transformationen in weltweit agierenden Unternehmen. So verfüge die Plattform über umfassende Automatisierungsfunktionen wie Automatisierungsplanung, vorgefertigte Integration mit verschiedenen KI/ML-Diensten (z. B. Bilderkennung und autoML), Workflow-Orchestrierung und End-to-End-Lebenszyklusunterstützung für DevOps. Kunden, die sich auf relativ kleine, gezielte Anwendungsfälle konzentrieren, bevorzugen jedoch möglicherweise einfachere, kostengünstigere RPA-Tools, so die Analysten. Außerdem bemängelt Gartner Appians geringe Sichtbarkeit im RPA-Markt sowie einige – zumindest aktuell noch – fehlende Funktionen wie einen On-Premises-Orchestrator oder die Möglichkeit automatisch RPA-Workflows aus Task-Mining-Aktionen zu generieren.

SAP Process Automation, das RPA-Produkt des Walldorfer Softwareriesen SAP, ist Teil des Business Technology Platform (BTP)-Stacks und bietet Kunden eine KI-gestützte, einheitliche Lösung für RPA, Workflow-Management und Business Rules. Wie Gartner positiv hervorhebt, hat SAP eine klare Vision für eine End-to-End-Automatisierung, die RPA, Process Mining, BPA und Cloud-ERP-Funktionen umfasst. Die Lösung biete mehr als 300 vorgefertigte Bots und mehr als 80 Workflows für verschiedene Geschäftsfunktionen. Zu den Stärken von SAP im RPA-Umfeld zählt Gartner außerdem das große Ökosystem von SAP: Angesichts des umfangreichen ERP-Ökosystems und des globalen Kundenstamms von SAP könnten Kunden von den Crowdsourcing-Komponenten und Konnektoren profitieren, die nicht nur für SAP-Anwendungen RPA-Funktionen ermöglichen.

Die Analysten weisen jedoch darauf hin, dass nichtsdestotrotz viele Kunden das RPA-Produkt von SAP als SAP-zentriert wahrnehmen. Außerdem würden die Walldorfer RPA – im Gegensatz zu reinen RPA-Anbietern – als eine der Schlüsselfunktionen ihrer breiteren Automatisierungsplattform bewerben. Potenzielle Käufer von SAP Process Automation sollten daher die Kosten und den Wert von SAP Process Automation mit denen von reinen RPA-Anbietern vergleichen.

Als Ergebnis der Übernahme von Servicetrace im Herbst 2021 vereint Salesforce-Tochter MuleSoft künftig RPA-, BPA-, AI-ML-, native OCR-, IDP- und Task-Mining-Funktionen in einer einzigen Plattform – sinnigerweise MuleSoft RPA genannt. Das Herzstück des Angebots ist die “Self-Building-Bot”-Funktion. Diese nutzt eine automatische Aufzeichnung von Benutzeraktionen wie Mausbewegungen und Tastatureingaben, um einen Workflow mit einem BPMN 2.0-Pfad automatisch zu erstellen. Darüber hinaus bietet MuleSoft RPA einen – so Gartner – beeindruckenden Funktionsumfang, einschließlich AI/ML-basierter nativer OCR, Computer Vision mit Mustererkennung, einem intelligenten Prozessrekorder und einer eingebetteten Open-Source-BPM-Engine von Camunda.

Wenngleich die Analysten davon ausgehen, dass Mulesoft weitere Ressourcen in das Thema RPA investiert, warnen sie so kurz nach dem Zusammenschluss vor Unklarheiten und möglichen Einschränkungen der Plattform.

Die Zahl der Nischen-Player wurde gegenüber dem Vorjahr von 9 auf 5 reduziert: Nachdem NTT dem eigenem Vernehmen nach keine RPA-Ambitionen mehr hat und Kryon von Nintex geschluckt wurde, verbleiben Samsung SDS, Nintex, Laiye, IBM und Cyclone Robotics.

Zu den Stärken der besonders im APAC-Raum gefragten RPA-Lösung von Samsung SDS, Brity RPA, zählt Gartner Erweiterungen wie den besonders intuitiven Support von Citizen Developern durch Process Discovery und Process Recording. Die Lösung umfasse auch einen Chatbot, integrierte OCR und native KI. Die Analysten bemängeln jedoch, dass Brity RPA nur unter dem Betriebssystem Microsoft Windows unterstützt wird und Samsung SDS aktuell nur eine begrenzte Anzahl von vorgefertigten Konnektoren für Business-Anwendungen von Anbietern wie SAP und Microsoft anbiete. Es gebe außerdem nur eine begrenzte oder gar keine Unterstützung für wichtige Sicherheitsvorkehrungen von Drittanbietern wie Cyberark und Echtzeit-Kollaborationsfunktionen für Entwickler.

Mit der Übernahme von Kryon im Februar 2022 verfügt Nintex gleich über zwei RPA-Produkte, künftig soll jedoch nur eine gemeinsame Lösung – Nintex Kryon – angeboten werden. Nintex Kryon RPA ist Teil der Nintex Process Platform, die auch Workflow-Automatisierung, digitale Formulare, intelligente Dokumentenautomatisierung, E-Signaturen, Prozesserkennung, Prozessabbildung (Nintex Promapp), LCAP und BPA-Funktionen umfasst. Während die RPA-Lösung interessante Features wie eine webbasierte Schnittstelle mit starken Sicherheitskontrollen und speziellen Funktionen zur Automatisierung von Prozessen in SAP ERP besitzt, fehlt es laut Gartner an einigen Funktionen, die in vielen Konkurrenzprodukten zu finden sind. Zu diesen Lücken gehören begrenzte IDP, begrenzte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Entwicklern und kein CI/CD.

Ebenfalls im Nischensegment verortet ist der bislang hauptsächlich in China und im asiatisch-pazifischen Raum aktive Anbieter Laiye. Das Unternehmen hat laut Gartner aber damit begonnen, nach Europa zu expandieren und erzielt bereits 20 Prozent seiner Einnahmen mit europäischen und amerikanischen Kunden. Die Marktbeobachter sehen den primären Wettbewerbsvorteil von Laiye in der Integration von Conversational AI und IDP und anderen Funktionen, die sich auf die End-to-End-Automatisierung konzentrieren. Im Gegensatz zu anderen RPA-Anbietern biete Laiye jedoch keine direkten UI-Konnektoren für gängige Anwendungen wie SAP, PeopleSoft, Salesforce, Workday und Google Workspace, was sich auf die Widerstandsfähigkeit von Automatisierungen auswirken könne, die mit diesen Systemen interagieren.

Obwohl viele Interessenten das RPA-Angebot von IBM bislang wohl kaum auf dem Schirm haben, bietet IBM Robotic Process Automation Funktionen auf Unternehmensniveau, die in der Cloud und vor Ort verfügbar sind. Die Lösung kann als eigenständiges Angebot oder im Rahmen von IBMs Cloud Paks erworben werden und punktet laut Gartner vor allem durch ihren KI-Fokus. So biete IBM RPA native KI mit für Citizen Developer geeigneten Klassifizierungs- und Entscheidungsmodellen. Damit könnten Kunden NLP-gesteuerte Bot-Assistenten für den Bau von Self-Service-Automatisierungen erstellen. IBM RPA vereinfache außerdem die Erstellung von Chatbots, indem es Kunden ermöglicht, dieselbe RPA-Skriptsprache wie bei Attended und Unattended Bots zu verwenden oder die RPA-Befehle im IBM RPA Studio zu nutzen.

Gartner verweist jedoch darauf, dass viele der Funktionen auf professionelle Entwickler ausgerichtet seien. Außerdem sei es für Kunden schwierig zu beurteilen, ob IBM sich auf den Wettbewerb im RPA-Markt konzentriert und nicht auf den breiteren BPA-Markt.

Ähnlich wie Laiye ist auch Cyclone Robotics hauptsächlich im Asien-Pazifik-Raum tätig, wenngleich für dieses Jahr die Expansion nach Nordamerika ins Auge gefasst wurde. Kunden außerhalb des asiatisch-pazifischen Raums müssen entsprechend abwägen, ob Cyclone Robotics über seine Partner angemessenen Produktsupport und Beratung bieten kann, warnt Gartner. Zu den Stärken des schnell wachsenden Unternehmens zählen die Analysten hingegen die von Cyclone getätigten Investitionen in KI, um Dienste wie den Intelligent Assistant und die Cyclone AI Skill Platform anzubieten. Diese biete eine solide Grundlage von IoT– und Edge-Computing-Funktionen und unterstütze standardbasierte BPMN-Orchestrierung, während die Attended-RPA-Funktion Intelligent Assistant Routineabläufe auf Desktops und mobilen Geräten automatisieren kann.

https://www.computerwoche.de/a/so-sieht-der-rpa-markt-2022-aus,3612651

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