CIO Best Bets 2022: Wetten auf die Zukunft der IT

“Relevant”, “kontrovers” und “provokativ” sind Begriffe, die auf dem Event “CIO Best Bets” am 15. September oft gefallen sind. Zum dritten Mal in Folge wagte die CIO-Community einen Blick in die Zukunft der IT und stellte ältere Prognosen auf den Prüfstand.

Fünf Top-CIOs und Vertreter aus der ITK-Branche stellten ihre aktuellen Wetten vor, die sie im diesjährigen “CIO Jahrbuch” abgeben, das am 10. Oktober 2022 erscheinen wird. Vier weitere unterzogen ihre Prognosen aus vergangenen Jahren einem Reality-Check. Die Redaktion des CIO-Magazins führte, unterstützt von den Sponsoren Accenture und Jabra, durch den Event, der sowohl vor Ort als auch virtuell stattfand.

Den Anfang der Neuzugänge machte Gregor Knipper, Geschäftsführer von Jabra, einem Anbieter von Audio- und Videokonferenzgeräten. In seinen Augen werden Unternehmen, die der DigitalisierungDigitalisierung und der hybriden Arbeit nicht oberste Priorität einräumen, in fünf Jahren 50 Prozent ihres Profits einbüßen. Die Mehrzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen laut Knipper örtlich und zeitlich flexibel arbeiten. Unternehmen, die das erkennen und entsprechende digitale Lösungen einführen, hätten einen merklichen Vorsprung im Wettbewerb. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Für Gregor Knipper, Geschäftsführer von Jabra, bringt hybrides Arbeiten Wettbewerbsvorteile.


Foto: Jabra

Auch Simone Bock, CIO von BNP Paribas Personal Investors Germany, befasst sich in ihrer Wette mit dem Thema Arbeit. In ihren Augen werden Beschäftigte verstärkt Fokuszeit benötigen. Sie stützt ihre Vorhersage auf neurowissenschaftliche Erkenntnisse, die besagen, dass zu viel Multitasking sich schlecht auf die Konzentration und damit die Leistung der Belegschaft auswirkt. Daher gelte es, die E-Mail-Flut und den Meeting-Marathon einzudämmen sowie die Anzahl an Kollaboration-Tools im Unternehmen zu reduzieren. Zudem sollten im Sinne einer “Neuro-Leadership” Ergebnisse aus der Hirnforschung auf das Führungsverhalten angewandt werden.

Simone Bock, CIO von BNP Paribas Personal Investors Germany, wettet auf mehr Fokuszeit bei der Arbeit.


Foto: BNP Paribas Personal Investors

Christina Raab, Vorsitzende der Accenture-Ländergruppe Deutschland, Österreich und Schweiz, warf ebenfalls ihren Hut in den Ring. Sie sagt voraus, dass bis 2028 das Metaverse ein selbstverständlicher Teil des Alltags sein wird, so wie heute das Internet. Unternehmen könnten dort neue Geschäftsmodelle, Ökosysteme und Kundenerfahrungen schaffen und die CIO-Funktion spiele dabei eine zentrale Rolle. Zwar werde der gesellschaftliche Wandel schleichend verlaufen, er sei aber unaufhaltsam, so die Managerin.

Christina Raab, Vorsitzende der Accenture-Ländergruppe Deutschland, Österreich und Schweiz, sagt den Aufstieg des Metaverse voraus.


Foto: Accenture

Mercedes Eisert, CIO von Bavaria Film, richtet ihren Blick auf das Thema Nachhaltigkeit. “In fünf Jahren werden mehr als 20 Prozent der Unternehmen auf eine nachhaltige IT setzen,” lautet ihre Vorhersage. Das Münchner Unternehmen sei diese Herkulesaufgabe bereits schrittweise angegangen. Ihr Team habe kleine Bereiche identifiziert, in denen IT einen Beitrag dazu leisten kann. So gebe es etwa eine Heatmap für Emissionen und eine Configuration Management Database für nachhaltiges IT Service Management. Digitale Dokumente würden im Unternehmen nun geteilt anstatt verschickt.

Für Mercedes Eisert, CIO der Bavaria Filmstudios, wird Nachhaltigkeit in der IT eine größere Rolle spielen.


Foto: Mercedes Eisert

Ergo-CIO Mario Krause fokussierte sich in seiner Wette auf den Dauerbrenner Agilität. In seinen Augen wird es auch in fünf Jahren keinen agilen “Sweet Spot” für Unternehmen geben. Gewachsene Kulturen, Strukturen und Prozesse in der Enterprise-IT sowie die erforderliche Zeit für die Modernisierung führten unweigerlich zu hybriden Lösungen mit einer Balance aus Stabilität und Agilität. Die klassische Wasserfall- und die agile Welt werden laut Krause noch eine Weile gleichberechtigt nebeneinander existieren.

Ergo-CIO Mario Krause wettet, dass Agilität und Wasserfall-Methoden noch länger nebeneinander existieren werden.


Foto: ERGO Group AG

Die älteste Wette, die auf dem Event auf den Prüfstand kam, stammt aus dem Jahr 2015. Markant-Geschäftsführer Mark Michaelis, damals bei Kaiser’s Tengelmann tätig, wettete, dass 2025 im stationären Handel 90 Prozent der Kunden vor dem Kauf eines Produkts mindestens eine IT-Interaktion ausgeführt haben. Eine Tatsache, die dem entgegensteht, ist laut dem Manager, dass der stationäre Lebensmittelhandel momentan eher wenig E-Commerce betreibe.

Mark Michaelis, Geschäftsführer von Markant, wettete 2015 auf mehr IT-Interaktionen vor dem Produktkauf.


Foto: Mark Michaelis

Markus Sontheimer, IT-Vorstand von ISS, sagte 2019 in seiner Rolle als Vorstand bei DB Schenker voraus, dass KI-Anwendungen 2024 so selbstverständlich zum Tagesgeschäft gehören wie Word oder Excel. Er glaubt noch an die Wette, da etwa Sprachsteuerung per KI, Chatbots oder intelligente Navigationsassistenten sich bereits heute immer mehr verbreiten.

Markus Sontheimer, IT-Vorstand von ISS, sagte 2019 voraus, dass KI-Anwendungen alltäglich werden.


Foto: DB Schenker

Die heutige DB-Schenker-IT-Vorständin Christa Koenen und Hitachi-Aufsichtsrat Helmuth Ludwig hatten beide 2020 Wetten abgegeben.

Koenen, damals Bahn-CIO, war der Meinung, im Jahr 2025 werde es in Deutschland höchstens zwei oder drei bedeutende Mobilitätsplattformen geben. Aus heutiger Sicht sei die damals erwartete Konsolidierung des Marktes nicht so schnell gegangen, wie gedacht, räumte sie ein.

Christa Koenen, IT-Vorständin von DB Schenker, erwartete 2020, dass sich Mobilitätsplattformen schneller konsolidieren werden.


Foto: DB Systel

Ludwig sagte voraus, dass die Machtverhältnisse zwischen IT-Profis und Anwender sich deutlich in Richtung Anwender verschieben würden. Der damalige Siemens-Manager hat gute Chancen, Recht zu behalten. Business und IT rücken immer näher zusammen und die Technik orientiert sich zunehmend an Produkten und Services. Trends wie Low- und No-Code würden dabei helfen, dass Fachabteilungen IT-Lösungen für ihre Probleme selbst finden könnten.

Hitachi-Aufsichtsrat Helmuth Ludwig wettete 2020, dass Business und IT noch näher zusammenrücken werden.


Foto: Siemens AG

Aufgelockert wurde das Programm durch zwei Interviews, in denen die CIO-Redaktion Branchenexperten zu aktuellen Trendthemen befragte. Jabra-Manager Knipper sprach darüber, wie Zusammenarbeit in Zukunft aussehen könnte. Hybrides Arbeiten und viel Flexibilität seien die Antworten, um alle im Unternehmen so einzubeziehen, wie es am besten für das Business ist. Dazu sollten Unternehmen etwa ihre Belegschaft nach ihren Präferenzen zu Arbeitszeiten und -orten befragen.

Der zweite Deep Dive befasste sich mit Daten und Prozessen. Dirk Henke, Geschäftsführer DACH bei Malt, und Kathrin Schwan, Managing Director und Head of Data Science & ML Accenture DACH, tauschten sich darüber aus, wie KI die Suche nach neuen Talenten unterstützen könnte. Sogenanntes Programmatic Recruiting habe das Potenzial, transparente Arbeitsmarktplätze für Freelancer und Betriebe zu schaffen.

Als Höhepunkt des Abends konnten die Event-Teilnehmer wieder live aktiv werden und über die vorgestellten neuen Wetten abstimmen. Das Ergebnis war eindeutig: Bavaria-Film-CIO Mercedes Eisert gewann in zwei von drei Kategorien. Ihre Prognose zu nachhaltiger IT fand die Mehrheit der Teilnehmer am relevantesten für Unternehmen und würde auch zehn Euro darauf verwetten. Am spannendsten fanden die Zuschauer dagegen die Wette von Jabra-Manager Gregor Knipper zu digitaler und hybrider Arbeitsweise als Wettbewerbsvorteil.

https://www.cio.de/a/wetten-auf-die-zukunft-der-it,3693050

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